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Aktuelles Stichwort: Waldbrände in Südeuropa

Es brennt wieder. Bilder von Portugal, Frankreich und Spanien gehen durch die Presse: Verheerende Waldbrände, von den Flammen entstellte Ortschaften, erschöpfte Feuerwehrleute - doch was hat es mit den Waldbränden in Südeuropa eigentlich auf sich?
WaldbrandLaden...
Mehr als 25 000 Hektar Pinien, Korkeichen und Eukalyptusbäume fielen bei einem Großfeuer in der südspanischen Provinz Huelva den Flammen zum Opfer. Zeitgleich waren in Portugal sieben verheerende Waldbrände aktiv, die sich bei einer brütenden Hitze von über vierzig Grad Celsius, extremer Trockenheit und teilweise starken Winden ungehemmt ausbreiten konnten – auch in diesem Sommer heizten Brände dem Süden Europas bereits wieder kräftig ein.

Und wie so oft, hat sich der Mensch die katastrophalen Züge dieses Szenarios vorwiegend selbst zuzuschreiben. Im Mittelmeerraum entstehen nur maximal drei Prozent der Brände auf natürliche Weise: durch Blitzschlag. Das Gros der Feuer wird von Menschen geschürt – sowohl vorsätzlich als auch aus reiner Nachlässigkeit. Doch wie kommt es dann, dass die für die mediterrane Zone typischen Hartlaubgewächse mit ihrer dicken Borke und ausgeklügelten Regenerationstaktiken an Brände angepasst sind?

Brände gehören seit jeher zu diesem Ökosystem. Wenn es ab und zu einmal brennt – eben dann, wenn ein Blitz eingeschlagen hat –, und die betroffene Fläche nicht allzu groß ist, wirken Feuer durchaus belebend. Sie sind sozusagen Zerstörer und Erneuerer in Einem: Was die Flammen verzehren, geben sie dem Wald in anderer Form zurück. Wenn in Blättern, Zweigen und Nadeln gespeicherte Nährstoffe schlagartig freigesetzt werden, keimen Samen förmlich auf und profitieren nebenbei von einem erhöhten Lichtangebot. Es kommen Arten zum Zug, die im alten und dichten Wald keine Chance hatten. Schädlinge hingegen ziehen den Kürzeren, denn Massenvermehrungen der Plagegeister schieben die Flammen einen Riegel vor. Für einige Kiefer- und Eukalyptus-Arten ist Feuer zur Freisetzung der Samen aus den Zapfen unerlässlich, da sich nur so die holzigen Früchte öffnen. In vielen Fällen lautet deshalb heute die Devise der Forstleute: "Lasst es brennen" – zumindest kleine Waldbrände fernab von menschlichen Siedlungen werden von ihnen toleriert.

Sind also die derzeit wütenden Brände in Wahrheit ein Segen? Nicht nur die Einstellung der Forstleute, auch das Feuerregime hat sich gewandelt. Trotz verbesserter Feuerbekämpfung brennt es in Südeuropa seit etwa der Mitte der 1970er Jahre anders: Die betroffenen Flächen sind größer und die zeitlichen Abstände zwischen den Bränden kürzer – oft zu kurz für eine Regeneration der geschädigten Pflanzenteile. Jährlich fällt im Mittelmeerraum eine mit der Größe Korsikas vergleichbare Fläche Wald den Flammen zum Opfer. Seit die meisten Landbewohner in die Städte abgewandert sind, bleiben große Mengen an Brennmaterial ungenutzt in den Wäldern liegen. Hinzu kommen höhere Temperaturen im Sommer bei gleichzeitiger Regenarmut: eine hochentzündliche Mischung.

Explosiv gebärden sich auch die Eukalyptusplantagen. Angereichert mit ätherischen Ölen warten Blätter und Äste dieser Bäume förmlich darauf, beim ersten Funken in die Luft zu gehen. Und in ihnen liegt nicht der einzige Zündstoff. In Südeuropa wurden große Flächen mit mediterranen Kiefern aufgeforstet, deren feine Nadeln dem Feuer nicht nur direkt am Baum Nahrung bieten, sondern sich – äußerst schwer zersetzbar – auch am Waldboden anhäufen. Die Folge sind extrem heiße Kronenfeuer, die jegliche oberirdische Pflanzensubstanz vernichten.

"Je natürlicher ein Wald ist, umso besser kann er einem Brand standhalten", meint Martin Geiger vom World Wildlife Fund. Deshalb ist langfristiges Denken gefragt: Die beste Feuerprävention liegt darin, die Wälder wieder in einen möglichst naturnahen Zustand zu versetzen, erst dann kann sich das Feuer wieder von seiner besseren Seite zeigen.
31.07.2004

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31.07.2004

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