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Gefährliches Sex-Defizit

Waldelefanten stehen vor dem Aussterben

Waldelefanten vermehren sich langsamer als ihre Verwandten aus der Steppe - zu langsam, um die Gier nach Elfenbein zu überleben, fürchten Fachleute.
Elefant

Der Waldelefant Loxodonta cyclotis weilt noch nicht allzu lange unter uns – erst 2001 ergaben genetische Tests, dass es sich bei dem drittgrößten Landtier um eine eigene Art handelt. Doch die letzte entdeckte Dickhäuterart könnte die erste sein, die uns wieder verlässt. Darauf deutet eine aktuelle Untersuchung einer Arbeitsgruppe um Andrea Turkalo von der Wildlife Conservation Society hin. Die Biologin und Elefantenexpertin der Weltnaturschutzunion IUCN hat sich mit der Zusammensetzung der Elefantenpopulation im Kongobecken befasst und kommt zu dem Schluss, dass die Tiere sich weit langsamer vermehren als gedacht. Nach den neuen Ergebnissen ist ihr Fortpflanzungszyklus um ein Drittel länger als beim verwandten Savannenelefanten, das macht sie sehr verwundbar gegenüber Verlusten durch Wilderei. Unter den gegenwärtigen Bedingungen bestehe die reale Möglichkeit, dass die Waldelefanten aussterben, so die Forscherin.

Schon jetzt würde es unter günstigen Bedingungen etwa 100 Jahre dauern, allein den Rückgang um 60 Prozent zwischen 2002 und 2011 auszugleichen, so die Analyse. Alle sechs Jahre wird die durchschnittliche Waldelefantin etwa schwanger, errechnet Turkalo anhand ihrer Zählungen – bei Weitem nicht genug, um den Jagddruck auszugleichen. Möglicherweise mehr als ein Zehntel der Population sterbe jedes Jahr durch Wilderer, heißt es in einer Untersuchung von 2014. Auch andere Einflüsse setzen den Waldelefanten unter Druck. Die kommerzielle Holzernte, die im Kongobecken auf dem Vormarsch ist, hat neben der Zerstörung des Walds den zusätzlichen Effekt, Menschen in den Wald zu locken und so das Wildereiproblem zu verschärfen. Diese Woche wird die IUCN auf ihrem Kongress in Hawaii weitere Einschränkungen des Elfenbeinhandels diskutieren. Fachleute bezweifeln aber, ob das reicht, um den Waldelefanten zu retten.

35/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 35/2016

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