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Klimaschutz: Waldwachstum beschert Europa Kohlendioxid-Minus

Elche in finnischem WaldLaden...
Die Wälder in der Europäischen Union wachsen – in der Fläche wie in der Holzmasse – und ersparten der Atmosphäre damit zwischen 1990 und 2005 jährlich 126 Millionen Tonnen Kohlenstoff: elf Prozent der jeweiligen Gesamtemissionen. Um aber ihre Verpflichtungen aus dem Kyoto-Abkommen zu erfüllen, müssen die Europäer neben Energieeinsparungen und neuen Technologien auch zukünftig auf die Hilfe ihrer Forste und Urwälder setzen, meinen Pekka Kauppi, Laura Saikku and Aapo Rautiainen von der Universität Helsinki.

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Heinävesi 1912 | Landschaft im finnischen Heinävesi im Jahr 1912: viel Freiland, wenig Wald.
Ihr Ergebnis überraschte die Wissenschaftler, denn noch 1992 schätzten sie das Aufnahmevermögen der Wälder des alten Kontinents auf allenfalls fünf Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes. Die Werte für die einzelnen Mitgliedsstaaten schwanken allerdings beträchtlich: Während Litauens Wälder nach dem postsowjetischen Zusammenbruch der abgaslastigen Schwerindustrie die heutigen CO2-Werte mehr als kompensieren kann, fällt die Bilanz in waldarmen Staaten wie Belgien, den Niederlanden oder Zypern deutlich schlechter aus. Als Kohlendioxidsenken treten generell die großen Wälder in den nordischen und östlichen EU-Ländern in Erscheinung.

Heinävesi 1994Laden...
Heinävesi 1994 | Die gleiche Landschaft mehr als achtzig Jahre später: viel Wald, wenig Freiflächen – eine symptomatische Entwicklung in vielen abgelegeneren Teilen Europas
In ihren neuen Studien beziehen Kauppi und seine Kollegen nicht nur die reine Waldfläche, sondern auch die Bestandsdichte in die Berechnung mit ein. Zudem kalkulierten sie, wie viel Kohlenstoff in der Biomasse gespeichert ist und jährlich neu hinzukommt. Trotz der schlagzeilenträchtigen Waldbrände, die alljährlich die Mittelmeerregion heimsuchen, wachsen die Bestände in Europa seit Jahren kontinuierlich an.

Die EU hat sich verpflichtet, bis 2020 zwanzig Prozent ihrer Kohlendioxid-Emissionen im Vergleich zu 1990 einzusparen. Tatsächlich stagnieren die Werte mehr oder weniger auf gleichbleibendem Niveau, da Abnahmen in Deutschland, Großbritannien oder Schweden von Zuwächsen in Spanien, Italien oder Portugal mehr als kompensiert werden. Um ihre Ziele zu verwirklich, komme Europa nicht ohne seine Wälder zurecht, so Saikku: Der Zuwachs könne zudem teilweise für die zweite Generation an Biomasse-Treibstoffen abgeschöpft werden, sodass keine neuen Flächen für Agrartreibstoffe eröffnet werden müssen. (dl)
01.12.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 01.12.2007

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