Waldzustand: Deshalb sterben die Bäume in Europa

In ganz Europa beobachten Fachleute, dass durch den Klimawandel mehr Bäume vorzeitig sterben als noch vor rund 20 Jahren. Der Prozess lässt sich jedoch nicht nur auf steigende Temperaturen, Extremwetterereignisse oder veränderte Niederschläge zurückführen. Was verursacht das Baumsterben? Ein Team um Erstautor Pascal Schneider von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im schweizerischen Birmensdorf hat dafür den Waldzustand in Frankreich untersucht. Wie die Fachleute in »Nature Communications« berichten, erhöht nicht nur Trockenheit das Sterberisiko, auch – paradoxerweise – günstige Bedingungen wie warme oder feuchte Frühlinge können es fördern, wenn dann im Sommer das Wasser fehlt. Zudem wirken sich Dürren je nach Baumart sehr unterschiedlich auf die Überlebensfähigkeit aus. In jedem Fall müsse sich Europa darauf vorbereiten, dass die Wälder in Zukunft mit weniger Wasser auskommen müssen.
Für ihre Studie betrachteten Schneider und seine Kollegen die Wälder Frankreichs und deren Entwicklung in der Zeit von 2015 bis 2023. Frankreich stünde modellhaft für den Rest von Europa: Geografisch und klimatisch deckt das Land viele verschiedene Zonen ab, von ozeanisch über alpin bis mediterran. Zudem liegen durch das French National Forest Inventory umfangreiche Daten für mehr als 500 000 Bäume von 52 Arten vor.
Die Fachleute durchforsteten die Daten mithilfe von Computermodellen und maschinellem Lernen. Als Ursache für das erhöhte Baumsterben stießen sie dabei auf einen Mix aus saisonalen Klimaabweichungen. Nicht einzelne Extremereignisse lassen demnach vermehrt und verfrüht Bäume absterben, sondern ein Zusammenspiel ungünstiger Bedingungen zu verschiedenen Jahreszeiten. Dabei spielen vor allem die Baumgröße, die Konkurrenz im Baumbestand und Klimaanomalien eine Rolle. Beispielsweise seien Weißtannen (Abies alba) nach warmen und feuchten Bedingungen im Frühjahr zwar gut gewachsen, aber wohl gerade deshalb im Sommer leichter eingegangen: Sie brauchten dann mehr Wasser, das nicht mehr reichte, um sie durch einen trockenen Sommer zu bringen. Ebenso könnten warme Winter als Killer wirken: Schädlinge überleben besonders leicht und befallen in der folgenden Jahreszeit die Bäume stärker. Davon abgesehen, bedingten Hitze und Trockenheit weiterhin verstärkt das Baumsterben.
Dabei sind es die Dauer und die Intensität, die Bäumen zu schaffen machen. Wie die Fachleute in ihrer Studie schreiben, zeige sich für den untersuchten Zeitraum, »dass die Sterblichkeit nicht durch eine einzelne extreme Dürre bestimmt wurde, sondern durch das Zusammenspiel von anhaltender Trockenheit, zeitweise auftretendem extremem Stress und einer eingeschränkten Erholungsfähigkeit in den Folgejahren« – weil es unter anderem nicht mehr genug Bodenwasser gab.
Für Schneider und seine Kollegen sei es daher angebracht, die Wälder Europas mit Baumarten zu bestücken, die Trockenheit besser aushalten. Sehr sicher werde den Wäldern weniger Wasser zur Verfügung stehen. Daher sollten auch große, besonders durstige Bäume eher gefällt werden als üblich, damit für den gesamten Bestand genug Wasser vorhanden bleibe.
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