Direkt zum Inhalt

Wale: Die Riesen kehren zurück

Blau- und Finnwale sind wahre Riesen – und waren daher begehrte Opfer der Walfänger. Nun deuten Beobachtungen darauf hin, dass ihre Zahl auch vor Afrika wieder zunimmt.
Ein Blauwal schwimmt majestätisch durch das tiefblaue Wasser des Ozeans. Sonnenstrahlen durchdringen die Wasseroberfläche und erzeugen ein sanftes Lichtspiel auf dem Körper des Wals. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Ruhe und Größe.
Der Blauwal ist das größte, bekannte Tier, das je auf der Erde gelebt hat. Aber er wurde fast ausgerottet.

Zwischen 1913 und dem Ende des industriellen Walfangs im großen Stil 1978 schlachteten Walfänger etwa 350 000 Blauwale (Balaenoptera musculus) und 750 000 Finnwale (B. physalus) ab – was beide an den Rand des Aussterbens brachte. Der Bestand der antarktischen Blauwale wird gegenwärtig auf drei Prozent der ursprünglichen Population geschätzt, beim Finnwal sollen inzwischen wieder 30 Prozent erreicht sein. Womöglich beschleunigt sich zumindest ihre regionale Bestandserholung seit einigen Jahren, wie eine Studie von Bridget James von der University of Cape Town und ihrem Team für das südwestliche Afrika andeutet: Seit 2012 mehren sich die Sichtungen und Strandungen der beiden Riesen an und vor den Küsten Namibias und Südafrikas.

Die Arbeitsgruppe hatte Daten seit den 1960er-Jahren ausgewertet, die bestätigte Beobachtungen umfassen. Über Jahrzehnte ließen sich kaum lebendige – oder tote – Blau- und Finnwale blicken. Doch seit 2012 änderte sich dies: 95 Prozent aller Sichtungen haben seitdem stattgefunden, auch wenn die Zahlen insgesamt klein sind: Sie umfassten weniger als 20 Blauwale und mehr als 80 Finnwale. Dennoch geben die steigenden Tendenzen den Forschern einen Grund zur Hoffnung, denn die Zunahme führen sie nicht allein auf vermehrte Walbeobachtungstouren vor der Küste, sondern auf tatsächlich häufigere Besuche der beiden Arten in diesen Gewässern zurück.

Hier verläuft der kalte Benguela-Strom, in dem nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt, das ein reichhaltiges Ökosystem ermöglicht und das in früheren Zeiten zahlreiche Wale anlockte: Das Gebiet bildete vor der Zeit des industriellen Walfangs wahrscheinlich einen wichtigen Teil des Wanderungskorridors beider Großwale von der Antarktis in wärmere Gewässer, wo sie ihre Jungtiere gebären. Wo diese allerdings genau verlaufen, ist noch nicht bekannt: Es liegen kaum wissenschaftliche Studien für die Gebiete im südöstlichen Atlantik vor, schreiben die Autoren. Überhaupt lassen sich die gewaltigen Blauwale nur schwer erforschen, weshalb immer wieder unbekannte Subpopulationen entdeckt werden.

Blauwale tauchten dabei am ehesten im späten Frühjahr und im Herbst auf, was zu saisonalen Wanderungen passen würde. Finnwale dagegen wurden über das ganze Jahr hinweg immer wieder beobachtet. Trotz dieser angedeuteten Bestandserholung warnen James und Co, dass beide Arten immer noch bedroht sind – nicht mehr durch den Walfang, aber durch Kollisionen mit Schiffen oder durch Geisternetze, in denen sie sich verfangen.

  • Quellen
James, B. et al., African Journal of Marine Science 10.2989/1814232X.2026.2626591, 2026

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.