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News: Walkman führt zu Hörschäden

Mittelohrentzündung (Otitis media) in der Kindheit und häufiges Walkman-Hören - diese Kombination ist verantwortlich für die meisten Hörschäden bei jungen Männern. Das ergab eine Studie an französischen Wehrpflichtigen. Obwohl auch Rockkonzerte, Diskos und Lärm am Arbeitsplatz zu Verlusten der Hörfähigkeit vor allem bei hohen Frequenzen führten, war der Anteil partiell Schwerhöriger bei Walkmannutzern mit durchlebter Otitis am höchsten.
Die Arbeit von Agnes Job und ihren Kollegen vom Forschungszentrum des Gesundheitsdienstes der Armee in La Tronche, Frankreich (The Lancet, 2. Januar 1999) beruht auf systematischen Untersuchungen von 1208 Rekruten im Alter von 18 bis 24 Jahren, die in den Städten Lyon und Vincennes durchgeführt worden waren. "Eine Stunde Walkmanhören pro Tag hatte keinen offensichtlichen Effekt auf das Hörvermögen von Männern ohne eine frühere Erkrankung an Otitis media", heißt es in der Studie. Bei Männern aber, die beiden Einflüssen ausgesetzt waren, lag der durchschnittliche Hörverlust um 11 dB höher als bei anderen untersuchten Gruppen.

Otitis media allein ist ein gut erforschter Risikofaktor für mögliche Hörschäden. Wenn ein Kind aus einer Industrienation drei Jahre alt ist, besteht eine fast 70%ige Wahrscheinlichkeit, daß es zumindest einen Fall von akuter Otitis media durchlebt hat. Ein Kind aus einem Entwicklungsland wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen oder mehrere Anfälle innerhalb seines ersten Lebensjahres durchgemacht haben.

Die akute Mittelohrentzündung ist das direkte Ergebnis einer Entzündung in den Kanälen, die Nase, Ohren und Hals miteinander verbinden und folgt gewöhnlich auf eine Infektion der oberen Atemwege. Wenn die eustachische Röhre blockiert wird, die Mittelohr und Hals verbindet, dann verwandelt sich die durch die Blockade eingeschlossene Flüssigkeit in einen Nährboden für Bakterien und andere Pathogene. In annähernd 80 % der Fälle sind es jene Bakterien, die auch Lungenentzündungen (Streptococcus pneumoniae), grippale Infekte, (Hemophilus influenza) oder Katarrhe (Moraxella catarhalis) verursachen.

Bleibt eine Behandlung aus, so wird die Membran des Tympanums, die das Mittelohr von seiner äußeren Umgebung trennt, letztendlich reißen und Eiter fließt aus. Hält dieser Zustand länger als zwei Wochen an, wird er als chronische eitrige Otitis media definiert. Ohne Antibiotika oder einen chirurgischen Eingriff kann diese Monate, ja mitunter sogar Jahre andauern. Die akute Otitis hingegen ist relativ harmlos, wenn sie schnell behandelt wird. Sich wiederholende oder länger andauernde akute oder chronische Mittelohrentzündungen können aber größere Schädigungen des Gehörs anrichten. Die chronische Form ist die dritthäufigste Ursache für Taubheit in den Industriestaaten.

"Unsere Ergebnisse demonstrieren, wie wichtig es ist, Otitis in der Kindheit zu behandeln und eine Prophylaxe zu erreichen", schlußfolgern die Forscher. "Junge Menschen, die wiederholt an Otitis media litten, seien gewarnt: Die Benutzung eines Walkman ist ein Risikofaktor für Taubheit."

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