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News: Wandergen

Ganz behütet fangen Honigbienen an zu arbeiten; erst als Reinigungskräfte und Erzieherinnen im sicheren Bienenstock, bis sie schließlich zu Futtersammlerinnen aufsteigen. Die Krönung ihrer Arbeitslaufbahn ist das ausschweifige Erkunden ihrer Jagdgründe, begleitet von einer gesteigerten Genaktivität des so genannten Sammlergens im Gehirn. Denselben Steuermechanismen nutzen auch die winzigen Fruchtfliegen, die sich von der "Sitzerin" zur "Herumstreicherin" hocharbeiten. Möglicherweise handelt es sich beim Sammlergen um ein evolutionäres Schlüsselgen zur Futtersuche.
Die sozial lebenden Honigbienen Apis mellifera haben eine strenge Ordnung, nach der die anfallenden Arbeiten dem Alter der Tiere entsprechend aufgeteilt werden. Ihr Erwachsenenleben beginnen sie innerhalb des Bienenstockes mit Reinigungsarbeiten und der hingebungsvollen Aufzucht der nächsten Generation. Im Alter von zwei bis drei Wochen ändert sich jedoch ihr Berufsbild, und die Bienen schweifen nun aus, auf der Suche nach Futter.

Der Entomologe Gene Robinson und seine Kollegen von der University of Illinois fanden eine genetische Korrelation mit dem plötzlichen Wandertrieb der Tiere. Während die Bienen erste vorsichtige Orientierungsflüge in die nächste Umgebung des sicheren Bienenstocks unternehmen, ändern sich Gehirnstruktur und Chemie, sowie die Aktivität der Endokrine und die genetische Aufstellung. Als die Forscher die neuronale Konzentration des so genannten Futtersuchegens for (foraging, engl. Futtersuche) maßen, konnten sie bei flugbereiten Honigsammlerinnen eine höhere Ansammlung der transportablen Genkopie – der so genannten Boten-RNA – und viermal so hohe Mengen des entsprechenden Enzyms als bei Nesthockerinnen feststellen.

Veränderte Genaktivität und Enzymkonzentration waren nicht einfach ein natürliches Resultat des Alters. Frühreife Bienen, deren Enzymaktivität chemisch stimuliert worden waren, zeigten keinerlei Unterschied zu ihren Artgenossen, die erst mit zwei bis drei Wochen das Heim verlassen. Da auch Taufliegen auf diesen Mechanismus rund ums foraging-Gen zurückgreifen, wenn sie sich von Nesthockerinnen zu umtriebigen Herumtreiberinnen entwickeln, vermuten die Forscher einen evolutionären Zusammenhang zwischen dem Futtersammelgen und der sich entwickelnden tierischen Sammlerliebe.

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