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Wandernde Tiere: Bei Vollmond fliegen Vögel höher

Schwarzsegler gehören zu den Meistern des Vogelflugs und landen außerhalb der Brutzeit fast nie. Wie hoch sie fliegen, hängt auch vom Mondstand ab.
Schwarzsegler

Acht Monate im Jahr leben viele Schwarzsegler (Cypseloides niger) aus Nordamerika ausschließlich in der Luft, wenn sie von ihren Brutgebieten in den USA und Kanada bis nach Brasilien ins Winterquartier ziehen. Selbst nachts landen sie nicht, sondern jagen weiter nach Insekten, um ihren Energiebedarf zu decken. Dabei bestimmt der Mond, wie hoch sie dann fliegen. Das zeigt eine Studie von Anders Hedenström von der Universität Lund und seiner Arbeitsgruppe, die in »Current Biology« veröffentlicht wurde.

Das Team hatte sieben Schwarzsegler im US-Bundesstaat Colorado gefangen und mit kleinen Data-Loggern ausgestattet, um mehr über ihre Flugzeiten und -höhen zu erfahren. Dadurch konnten die Wissenschaftler ein Bewegungsmuster der Tiere erstellen, während sie von den Rocky Mountains in Colorado in Richtung Amazonasbecken flogen. Neben dem ausdauernden Flug beobachteten sie bei der Datenauswertung, dass die Segler je nach Helligkeit oder Schwärze der Nacht die Flughöhe wechselten.

In der Zeit um den Neumond lag ihre durchschnittliche Flughöhe bei gut 1000 Metern. Rund um den Vollmond hingegen stiegen sie auf 2000 bis 4000 Meter auf. Tagsüber flogen sie wiederum nur in wenigen hundert Metern über dem Erdboden. »Wie sehr die Dynamik des Höhenflugs von den verschiedenen Mondphasen abhängt, hat uns völlig überrascht«, sagt Anders Hedenström. Die Arbeitsgruppe hatte sogar das Glück, das Verhalten der Schwarzsegler während einer Mondfinsternis aufzuzeichnen, die im Januar 2019 stattfand: Als sich der Mond verdunkelte, reagierten die besenderten Vögel alle simultan und stießen rasch in niedrigere Flughöhen hinab. Als das Ereignis endete, stiegen sie zügig wieder in höhere Luftschichten auf.

Warum die Vögel derart stark auf den Mond reagieren, ist noch unklar. Wahrscheinlich fliegen bei Vollmond auch viele Insekten höher, die den Seglern als Nahrung dienen, vermuten Hedenström und Co. Zahlreiche Zugvögel fliegen zudem nachts, wenn ihnen weniger Gefahr durch Fressfeinde oder Überhitzung droht. Allerdings fliegen sie dann meist niedriger über Grund als tagsüber.

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