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News: Wanderwege für Schmetterlinge

Eine große Gefahr für viele Tiere und Pflanzen stellt die Zerschneidung ihrer ursprünglich zusammenhängenden Lebensräume dar. Für Waldbewohner sind offene Flächen wie Straßen, Weiden oder Äcker eine kaum zu überwindende Barriere. Dagegen können Wiesenlebensgemeinschaften durch aufgeforstete Flächen zerrissen werden. Als Gegenmaßnahme werden in der Landschaftsplanung Wanderkorridore eingerichtet, in denen die Organismen von einem Habitat in ein anderes gelangen können. Die Ergebnisse sind jedoch nach Meinung vieler Experten nicht zufriedenstellend, und das als Biotopverbund bekannte Konzept ist daher sehr umstritten. Eine Studie zum Wanderverhalten verschiedener Schmetterlingsarten in Nordamerika bringt jetzt neue Hinweise für die Bedeutung von Korridoren im Naturschutz.
Viele Tier- und Pflanzenarten sind durch die Vernichtung ihrer Lebensräume vom Aussterben bedroht. Die Gefahren gehen dabei nicht nur von großflächigen Zerstörungen aus, sondern auch von einer zunehmenden Zerschneidung von Lebensräumen und der anschließenden Isolierung der einzelnen Populationen, die nicht mehr überlebensfähig sind. Naturschützer und Ökologen setzen daher in ihrer praktischen Arbeit auf das Anlegen von Korridoren, die auf die Bedürfnisse der Arten abgestimmt sind. Diese streifenförmigen Biotope sollen den Organismen als Wanderweg von einem Teil des Lebensraumes in den anderen dienen. Klassische Korridore für waldlebende Tierarten sind zum Beispiel Gehölzstreifen entlang von Gewässern.

Von entscheidender Bedeutung für die Anforderungen an die Verbindungsstücke ist die Wandergeschwindigkeit und vor allem die Mobilität der Zielorganismen. Für Vögel oder Schmetterlinge, die größere Entfernungen zurücklegen können, ist es meist einfacher, einen Korridor einzurichten, als für zum Beispiel für flugunfähige Insekten. Außerdem sind durch Randeffekte die Lebensbedingungen im Korridor in der Regel schlechter als im eigentlichen Habitat, so daß eigentlich kein Anreiz besteht, von einem Gebiet zum nächsten zu wandern.

In den Ecological Applications vom Mai 1999 wurden nun die Ergebnisse zweier Studien veröffentlicht, die sich mit Biotopverbund für Schmetterlinge des Offenlandes befaßten.

In der ersten Untersuchung wurde das Wanderverhalten des Nordamerikanischen Pfauenauges (Junonia coenia) und des Buntscheckigen Perlmutterfalters (Euptoieta claudia) untersucht. Durch naturverträgliches Roden von mehreren Morgen Fläche wurden in einem dichten Kiefernwald Lichtungen geschaffen. Einige der Areale waren durch waldfreie Korridore von ungefähr 32 Metern Breite und verschiedener Länge miteinander verbunden, die anderen blieben isoliert. Durch den Lichteinfall keimten im Boden ruhende Samen schnell aus, und Blütenpflanzen sorgten für ein reiches Angebot an Nektar für die Schmetterlinge, die sich bereits nach kurzer Zeit auf den Flächen einfanden.

Nick Haddad von der University of Georgia (heute an der University of Minnesota) untersuchte das Verhalten der Schmetterlinge in 27 quadratischen Flächen mit einer Seitenlänge von 128 Metern. Die Tiere wurden gefangen, an den Flügeln markiert und wieder freigelassen. Über wiedergefangene Tiere konnte der Wissenschaftler so die Wanderbewegungen zwischen den Flächen aufzeichnen.

Nach zwei Jahren stellten die Forscher fest, daß die Schmetterlinge eng zusammenliegende Lichtungen anflogen, auch wenn sich dazwischen kein Korridor befand. Je größer jedoch die Distanz zwischen den isolierten Flächen war, desto seltener verirrte sich ein Schmetterling dorthin. "Es könnte sein, daß die Schmetterlinge das Licht einer naheliegenden Lichtung wahrnehmen können", sagt Haddad. Wie wichtig jedoch Korridore sind, zeigt sich darin, daß bei größeren Entfernungen durch gerodete Streifen verbundene Flächen häufiger angeflogen wurden.

Als weiteres Ergebnis zeigte sich, daß Männchen stärker positiv auf die Korridore reagierten. Außerdem war das Wanderverhalten des Nordamerikanischen Pfauenauges deutlich von dem Auftreten des Blauen Leinkrauts (Linaria canadensis), einer wichtigen Futterpflanze für die Raupe des Falters, abhängig.

In einer weiteren Studie stellten Haddad und seine Mitarbeiterin Kristen Baum (inzwischen an der Texas A&M University) fest, daß durch die Korridore auch die Individuenzahl von Schmetterlingen offener Habitate anstieg. So wurden bei drei Arten in Flächen, die durch Korridore verbunden waren, größere Anzahlen festgestellt als in isolierten Flächen.

"Korridore werden oft mit dem Hintergedanken angelegt, daß sie allen Arten, die in einem Habitat leben, von Nutzen sind", sagt Haddad. Von Bedeutung sind sie jedoch vor allem für Arten, die sehr stringente Ansprüche an ihr Habitat stellen und daher von der Zerschneidung ihres Lebensraumes besonders bedroht sind. Die Schaffung von geeigneten Wanderkorridoren ist seiner Ansicht nach eine durchaus sinnvolle Methode, um diese Tiere zu schützen.

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