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Klimatologie: Warme Arktis verschafft uns häufiger Extremwetter

Wieder ein Winter bei uns, der kaum einer war. Dagegen versinkt der Nordosten der USA im Schnee. Die Ursache dafür liegt anscheinend in der Arktis.
Simulation des Jetstreams

Wärme in Alaska, Dürre in Kalifornien, Snowmaggedon an der US-Ostküste und im Nahen Osten – während der Winter in Mitteleuropa wieder weit gehend ausfiel. Wie schon in den letzten Jahren schlägt das Wetter Kapriolen, und schuld daran ist der Jetstream, dieses starke Höhenwindband, das in den mittleren Breiten von West nach Ost braust. Seit einigen Jahren neigt der Jetstream jedoch verstärkt dazu, große Wellen zu machen, statt relativ geradlinig zu wehen: Er buchtet deutlich aus und bringt je nach Richtung arktische Luftmassen nach Süden oder Wärme nach Norden. Mehr und mehr Daten bezeugen, dass der Grund für dieses Mäandrieren und damit für unsere Wetterextreme in der Arktis liegt, was eine neue Studie von Jennifer Francis von der Rutgers University und ihren Kollegen erneut bestätigt.

Mittlerweile sei die polare Verstärkung das ganze Jahr über vorhanden, so Francis, nachdem sie und ihr Team Klimadaten bis in die 1940er Jahre verglichen hatten: Vereinfacht gesagt macht sich der Klimawandel am Nordpol zu allen Jahreszeiten bemerkbar und nicht nur im Sommer. Die Arktis erwärmt sich als Folge des Klimawandels nicht nur im Sommer stärker, sondern kühlt im Winter auch schwächer aus, weil beispielsweise das Meereis großflächig verschwindet. Mangels isolierender Eisdecke erwärmt der offene Ozean auch während der Polarnacht lange die Atmosphäre. Folglich geht der Temperaturkontrast zwischen wärmeren Breiten und dem Polargebiet zurück, dessen energetischer Ausgleich über Winde eigentlich den Jetstream antreibt. Fällt dieser schwächer aus, weil sich Süd und Nord wärmemäßig angleichen, tendiert das Höhenwindband stärker zum Mäandrieren. Und da diese Wellen bisweilen wochenlang ortsfest verharren, können sich längere Dürren oder Kälteperioden einstellen: Im Winter 2012 auf 2013 lag beispielsweise Mitteleuropa in einem dauerhaften Trog von Nord nach Süd, was uns Schnee und Kälte brachte.

Eisschollen auf dem Hudson River | Die andauernde Kälte mit zeitweilig zweistelligen Minusgraden sorgt dafür, dass auf dem Hudson River in New York Eisschollen treiben. Wegen ihrer Form nennt man sie Pfannkucheneis: Es entsteht, bevor sich eine geschlossene Eisdecke ausbildet.

Seit den 1990er Jahren nimmt der wellenförmige Charakter des Jetstreams zu; gleichzeitig erlebt die Arktis seitdem die stärkste Erwärmung seit etwa 125 000 Jahren, als die letzte Zwischeneiszeit herrschte. Da sich die Arktis weiterhin stark aufheizt, dürften sich Extremwetterereignis mittelfristig weiter häufen, so Francis in den "Environmental Research Letters".

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