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News: Warner vor dem Sturm

Durch El Niño drohen häufigere und schwerere Stürme als bisher. Die Sicherheit von Häfen ist deshalb jetzt besonders wichtig, kann jedoch nur von optimal gelegenen und gebauten Hafenanlagen geboten werden. Für nicht ganz so perfekte Häfen gibt es jetzt ein neues Frühwarnsystem, das rechtzeitig vor gefährlichen Wellen warnt.
Entwickelt wurde das neue System am Technion-Israel Institute of Technology. Es heißt Sea 21 und könnte künftig Millionen-Schäden verhindern helfen, die Stürme in den Häfen durch die Beschädigung von Schiffen, Vergnügungsbooten, Hafenanlagen und Frachtgut verursachen. Das System bezieht zahlreiche meteorologische Daten sowie die Größe, Form und Lage des betreffenden Hafens in die Berechnung mit ein. Dadurch kann es die Hafenaufsicht innerhalb der nötigen 48 Stunden vor möglichen Gefahren warnen.

Die für die Wasserfahrzeuge in den Häfen bedrohlichen Wellen unterscheiden sich von den strudelförmigen, hohen Wellen auf der See. Sie sind zwar nicht so unglaublich groß, richten jedoch ihren Schaden an, indem sie schnell und unbemerkt entstehen und eingegrenzte Gewässer so aufwühlen, daß Schiffe im Hafen herumgeworfen werden wie Spielzeugboote in der Badewanne.

„Die Vorhersagen der Wetterdienste gelten für Seebedingungen, doch die herrschen eher in tieferen Gewässern, nicht so sehr in seichten Küstengewässern“, erklärt Prof. Michael Stiassne, der das Projekt Sea 21 leitet. „Die Wellen verändern sich beträchtlich, wenn sie vom tiefen ins seichte Wasser kommen, und an diesem Punkt wird Sea 21 wichtig.“

Das System zur Wellenvorhersage ist ein Softwarepaket, aus komplexen Computermodellen miteiner graphischen Oberfläche . Die Software verarbeitet Informationen regionaler meteorologischer Dienste und Wetterämter über Wind- und Wellenbedingungen im tiefen Wasser. Sie analysiert diese Informationen, berücksichtigt hierbei die Fortpflanzung der Wellen, lokale Winde, die Hafenform sowie weitere Größen. Schließlich informiert das System über Wellenfelder, Winde, Strömungen sowie über Bewegungs- und Vertäuungsbedingungen der Schiffe. Abschließend benachrichtigt es den Betreiber automatisch über sich verändernde Wetterbedingungen.

Sea 21 kündigt den einsetzenden Sturm nicht nur an, sondern berechnet auch dessen Größe und potentielle Einwirkung auf einen bestimmten Hafen bzw. Jachthafen. Aber jeder Hafen ist anders, und so muß auch jede Sea 21-Einheit für den entsprechenden Einsatzort angepaßt werden. „Es ist kein Produkt 'von der Stange'. Bevor wir das System einrichten können, müssen wir im Hafen eine gewisse Feldarbeit leisten“, erläutert Stiassne.

Sea 21 kann in Häfen, Jacht- und Vorhäfen, in Hafenanlagen und auf langen Hafendämmen eingesetzt werden. Besonders nützlich ist es für Häfen, die sich nicht in einer Bucht befinden, schlecht konstruiert oder gerade im Umbau sind. Ferner kann Sea 21 – noch bevor ein Hafen gebaut wird – den optimalen Standort bestimmen.

Besonders effizient kann Sea 21 vorhersagen, wie sich „lange Wellen“ verhalten werden. Darüber konnten die Meteorologen bis dato vorher nichts sagen. Von Sturmwinden über tiefen Gewässern gebildete Wellen sind leicht auszumachen; lange Wellen indes haben keinen hohen Kamm. Diese sekundären Wellen entstehen, wenn die Sturmwellen in seichtere oder halb eingeschlossene Gewässer vorrücken, wie zum Beispiel in einen Hafen. Wann, wie und ob sie überhaupt entstehen, bestimmen die spezifischen Konturen eines jeden einzelnen Hafens sowie zahlreiche meteorologische und ozeanographische Daten.

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