Risiken und Nebenwirkungen: Warnung vor Viagra-Wirkstoff in Schokolade

Sie heißen »evelle Hilti«, »Night Longer«, »Drill Chocolate« oder »Vigor King« und sollen angeblich mit »natürlichen« Inhaltsstoffen die Libido anregen. Doch ihr Verzehr ist potenziell gesundheitsschädlich. In Wahrheit nämlich enthalten einige der so angepriesenen Schokoladen den verschreibungspflichtigen Wirkstoff Sildenafil. Das Potenzmittel hat eine ganze Reihe potenziell gefährlicher Nebenwirkungen. Deshalb warnen Verbraucherschutzbehörden aktuell eindringlich davor, die Produkte zu essen.
Sildenafil wird normalerweise bei Erektionsstörungen verschrieben. Als rezeptpflichtiges Medikament ist es nicht für Lebensmittel zugelassen (und findet sich auch nicht auf der Zutatenliste). Bekannte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten reichen von Kopfschmerzen über Wahrnehmungsstörungen bis zu Dauererektionen oder Herz-Kreislauf-Problemen. Für Herzpatienten ist die Einnahme besonders gefährlich. Würde man von den aktuell aufgefallenen Produkten die auf der Packung empfohlene Menge essen, würde man Wirkstoffmengen zu sich nehmen, wie sie auch in den verschreibungspflichtigen Tabletten enthalten sind.
Die jetzt aufgefallenen Produkte gab es an Kiosken, im Einzelhandel oder online. Laut den Angaben auf der Verpackung stammten die meisten von ihnen von Herstellern aus der Türkei – nach Recherchen des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MLV) des Landes Nordrhein-Westfalen ließen sich die Betriebe aber nicht zurückverfolgen, unter den angegebenen Adressen existierten die entsprechenden Firmen nicht. Die Plattform Amazon hat die beanstandeten Produkte inzwischen aus dem Sortiment genommen. Dass das Problem damit gelöst ist, darf man aber bezweifeln: Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass das Medikament in Schokolade gefunden wird. Seit 2020 tauchen im europaweiten Schnellwarnsystem der Behörden immer wieder Meldungen über Sildenafil in Süßigkeiten auf, wie das MLV mitteilt. Anfang 2025 erwischte der Zoll sogar einen Reisenden dabei, wie er gut anderthalb Kilogramm Potenz-Trinkschokolade aus dem Urlaub zurückbrachte. Wen er damit glücklich machen wollte, ist unbekannt.
Dass Schokoladen als Aphrodisiakum beworben werden, ist nicht neu; die Vermarktung als speziell designtes Nahrungsergänzungsmittel mit verschiedenen natürlichen Zusätzen ist es auch nicht. Ob die Bestandteile wie etwa Ginseng tatsächlich die erhoffte Wirkung haben, ist aber nicht wissenschaftlich belegt. Entsprechende »Health Claims«, also Wirkungsversprechen, sind deshalb in der EU verboten.
Alle aktuellen Warnungen sind auf dem Portal lebensmittelwarnung.de des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu finden.
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