Brand bei Neujahrsfeier: Warum das Feuer in Crans-Montana so tödlich war

Mehr als 40 Menschen starben durch einen Brand in der Bar Le Constellation im Schweizer Skiort Crans-Montana. Laut Berichten und Videos geriet die Decke des Clubs durch Feuerwerkskörper in Brand; binnen Minuten wurde der ganze Raum zu einem Inferno, aus dem es für viele Menschen kein Entkommen mehr gab. Dass das lokale Feuer rasant zu einer tödlichen Falle wurde, ist allerdings keine Überraschung.
Immer wieder enden Feuer in Bars und Clubs für sehr viele Menschen tödlich. Zuletzt starben Anfang Dezember in einem indischen Nachtclub über 20 Menschen nach einem Feuer in der Küche, bei einem Brand während eines Konzerts in Nordmazedonien gab es im März 2025 sogar rund 60 Tote. Dass gerade solche Veranstaltungen so verheerend ausgehen, liegt meist daran, dass die Räume sehr voll und schwer zu evakuieren sind – aber auch daran, dass selbst scheinbar kleine Brände in geschlossenen Räumen in extrem kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.
Ein Brand entwickelt sich in drei Stufen. In der ersten Phase ist das Feuer klein und begrenzt. Es entsteht kaum Rauch und Hitze, und an diesem Punkt kann man es mit einem Feuerlöscher, Wasser oder einer Decke leicht ersticken. Geschieht das nicht, zum Beispiel weil die Flammen nicht entdeckt werden oder – wie vermutlich im Le Constellation der Fall – schwer zu erreichen sind, beginnt das Feuer zu wachsen.
Passiert das, werden Feuer in geschlossenen Räumen außerordentlich schnell tödlich. In der zweiten Phase greift der Brand auf weitere Materialien über und strahlt mehr Hitze ab. Heiße Gase und dichter Rauch breiten sich an der Zimmerdecke aus. Besonders gefährlich ist der entstehende Rauch. Er ist hochgiftig, weil er große Mengen Kohlenmonoxid und Blausäure enthält, die beide die Sauerstoffaufnahme im Blut blockieren. Außerdem bilden sich beim Verbrennen moderner Kunststoffe weitere Stoffe wie Formaldehyd, Chlorwasserstoff, Acrolein und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe.
Die meisten Opfer von Bränden in Innenräumen sterben deswegen durch Rauchvergiftung, nicht durch das Feuer selbst. In dichtem Rauch verliert man im Extremfall schon nach wenigen Atemzügen das Bewusstsein. In einer Analyse von Statistics Canada waren zum Beispiel 68 Prozent der Feuertoten zwischen 2011 und 2020 den giftigen Gasen erlegen. Deswegen sollte man geschlossene Räume bei Feuer sofort verlassen, selbst wenn die Flammen noch relativ begrenzt erscheinen. Videos zeigen, dass in dieser Phase noch Dutzende Menschen in der Bar blieben. Ob es Versuche gab, den Raum geordnet zu evakuieren, ist derzeit unklar.
Giftiger Rauch und unsichtbare Gefahr
Die Gefahr durch Rauch ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegen. Möbel und andere Haushaltsgegenstände bestehen heute überwiegend aus Kunststoffen, die weit mehr und giftigeren Rauch erzeugen als natürliche Materialien. Nach Angaben der Internationalen Vereinigung von Feuerwehren und Rettungsdiensten (CTIF) entsteht bei heutigen Zimmerbränden 200-mal mehr Rauch als vor 50 Jahren.
Die heimtückischste Eigenschaft von solchen Bränden ist, dass sich das Feuer unsichtbar ausbreitet. Deswegen ist es leicht, die scheinbar langsam voranrückenden Flammen in der Wachstumsphase zu unterschätzen. Was man nicht sieht: Heiße Gase und Wärmestrahlung des ursprünglichen Feuers beginnen, Materialien überall im Raum zu zersetzen – ein Prozess, den man als Pyrolyse bezeichnet. Dabei werden brennbare Gase frei. Zusammen mit dem ebenfalls entzündlichen Rauch füllt sich nun der ganze Raum mit einer gefährlichen Mischung. Es ist die letzte Gelegenheit zur Flucht.
Denn ab einer Temperatur von etwa 500 Grad droht ein Flashover, bei dem sich schlagartig alle Oberflächen entzünden und den ganzen Raum in ein Inferno verwandeln. Fachleute vermuten, dass das schließlich auch beim Brand in Crans-Montana geschah. Die Chance, diesen schlagartigen Übergang zur Phase drei, dem voll entwickelten Brand, zu überleben, ist sehr gering. Und auch das passiert heutzutage außerordentlich schnell. Dabei spielen moderne Kunststoffe auf Erdölbasis eine verheerende Rolle. Sie erzeugen besonders leicht brennbare Gase, sodass Gegenstände daraus sich besonders schnell entzünden.
Als Resultat entwickeln sich Zimmerbrände heutzutage viel schneller als noch vor 50 Jahren. Standardisierte Experimente der CTIF zeigen, dass ein Raum mit Mobiliar aus den 1970er Jahren einem Feuer bis zu 30 Minuten standhielt, bevor alles brannte. Und während auch dort giftiger Rauch entstand, dauerte es mehrere Minuten, bis die Bedingungen lebensbedrohlich wurden. Kunststoffe, Schäume und Klebstoffe auf Erdölbasis brennen schneller und erzeugen mehr Rauch, ebenso wie brennbare Pyrolysegase. Es bleibt kaum Zeit für Löschversuche, laut Feuerwehrleuten brennt ein Raum heute binnen drei Minuten vollständig. Entsprechend tragisch ist, was Videos aus dem brennenden Club Le Constellation zeigen: Dutzende Menschen stehen um ein schnell wachsendes Feuer und ahnen nicht, wie sehr die Uhr längst gegen sie läuft.
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