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Natürliche Resonanz: Warum diese 120 Meter hohe Felsnadel schwingt

Ein beliebtes Naturdenkmal brummt wie eine Gitarrensaite - nur in einem viel tieferen Ton. Nun prüfen Fachleute, ob dadurch Gefahr droht.
Der 120 Meter hohe Castleton Tower in Utah und die benachbarte, als The Rectory bezeichnete Felsformation sind Überreste eines dicken Sandsteinplateaus.Laden...

Exakt einmal pro Sekunde schwingt die spektakuläre Felsnadel des Castleton Tower von einer Seite zur anderen und wieder zurück – und das permanent. Der 120 Meter hohe Sandsteinblock im US-Bundesstaat Utah ist so regelmäßig geformt, dass er wie eine Gitarrensaite verschiedene Resonanzfrequenzen hat, berichtet eine Arbeitsgruppe um Jeff Moore von der University of Utah. Wie das Team im »Bulletin of the Seismological Society of America« schreibt, sind es Einflüsse wie Windstöße oder kleine Erdbeben, die diese Saite immer wieder anschlagen und den Stein so in seinen beiden Grundtönen klingen lassen. Neben der Schwingung von einem Hertz liegt eine weitere Resonanz bei 0,8 Hertz, wie Messungen mit einem Seismometer an der Spitze der Felsnadel zeigen. Hintergrund der Forschung ist, dass diese ständige Übertragung von Energie die Erosion der Felsnadel verstärkt; so könnten unscheinbar wirkende menschliche Schwingungsquellen nahe der Resonanzfrequenzen unerwartet großen Schaden anrichten.

Ein Seismometer auf der Spitze einer schmalen, mehr als 100 Meter hohen Steinsäule mit senkrechten Wänden zu platzieren, ist nicht ganz einfach – zum Glück gibt es aber Leute, die so etwas zum Spaß machen. Castleton Tower ist ein berühmter Kletterpunkt, dessen Spitze einige zehntausendmal erklommen wurde. Zwei professionelle Kletterer erklärten sich bereit, die Tour im Namen der Wissenschaft auf sich zu nehmen, heißt es auf der Website der Universität. Als Referenz deponierte die Arbeitsgruppe ein Seismometer am Fuß des Turms, während die Kletterer zur Spitze aufstiegen und dort drei Stunden lang die Vibrationen der Felsstruktur aufzeichneten. Das Ergebnis ist beruhigend: Die beiden Resonanzfrequenzen liegen nach Angaben der Fachleute in einem Bereich des Schwingungsspektrums, in dem weder menschliche noch natürliche Quellen große Energiemengen erzeugen. Dadurch ist die Gefahr gering, dass Erdbeben, Straßenverkehr oder andere Einflüsse die Schwingungen der Felsnadel gefährlich aufschaukeln und so das Monument beschädigen.

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