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Insekten: Warum gerade jetzt so viele Wanzen fliegen

Die Meldungen über »Wanzenplagen« häufen sich; massenhaft sitzen die Sechsbeiner auf Wänden und Fenstern. Doch fürchten muss sich (fast) niemand.
Wanze

Sie sitzen massenhaft an Wänden und Fenstern, verirren sich in Wohnzimmer und Kirchen – und erschrecken oder ekeln gar betroffene Menschen: Bundesweit sorgen Wanzen gerade für Nachrichten in Regionalzeitungen, weil sie gehäuft auftreten: An der Kirche seien alle von der Sonne beschienenen Flächen schwarz vor Wanzen gewesen, zitiert die »Schwäbische« die Mesnerin der Bussenkirche in Offingen. In der nördlichen Oberpfalz klingelt laut dem »Neuen Tag« in letzter Zeit häufiger das Telefon bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Neustadt/Waldnaab wegen der »Invasion der Stinkwanzen«. Und die »Gießener Zeitung« spricht gar von einem »Jahr der Wanzen«.

Tatsächlich war 2018 ein hervorragendes Jahr für die Sechsbeiner, die zwar ähnlich wie Käfer aussehen, aber eine eigene Ordnung in der Klasse der Insekten darstellen. Der lange, warme Sommer bot den Tieren optimale Bedingungen, um sich fortzupflanzen. Schon im April erreichten die Temperaturen sommerliche Werte und regten die Weibchen zur Eiablage an: Bis zu 450 Eier kann ein Tier produzieren; die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen und durchlaufen insgesamt fünf Stadien, bis sie selbst erwachsen sind und sich fortpflanzen können. Normalerweise überwintert diese Generation und pflanzt sich erst im neuen Jahr fort, doch dank der nicht enden wollenden Wärmeperiode brachten die Wanzen vielerorts sogar zwei Generationen hoch – weshalb sie nun gehäuft auftreten.

Seit Ende September drängt es die Insekten allerdings ins Winterquartier und bringt sie damit in Konflikt mit Menschen, die den Sechsbeinern eher skeptisch gegenüberstehen. Um zu überwintern, suchen sie trockene, dunkle und nicht zu kalte Unterschlüpfe, die es an und in Gebäuden natürlich in großer Zahl gibt. Deshalb lassen sie sich gerade massenhaft auf Mauern und Fenstern nieder, verirren sich in Innenräume und auf Balkone. Bevorzugte Ruheplätze sind Risse und Spalten im Mauerwerk, Rollladenkästen sowie Topfuntersetzer und ähnliche Zufluchtsorte. Unterwegs sind gegenwärtig vor allem Grüne Stinkwanzen (Palomena prasina), Graue Gartenwanzen (Rhaphigaster nebulosa) und Lederwanzen (Coreus marginatus) sowie die invasiven Marmorierten Baumwanzen (Halyomorpha halys) aus Ostasien. Im Gegensatz zu den Bettwanzen (die sich nicht fliegend ausbreiten) bilden diese Wanzen für die meisten Menschen allerdings keine größere Belästigung: Sie ernähren sich alle von Pflanzensäften.

Muss man sie loswerden – und wenn ja, wie?

Wer sich an den auch Schnabelkerfe genannten Tierchen nicht stört, kann sie einfach gewähren lassen: Sie schaden weder dem Mauerwerk noch den (meisten) Zierpflanzen im Haus. Wer sie dennoch loswerden will, muss allerdings aufpassen, dass er die Wanzen nicht versehentlich zerquetscht. Wie der Name von Palomena prasina schon andeutet, sondern die Tiere ein übel riechendes Warnsekret ab, wenn sie sich bedroht fühlen (oder eben zerdrückt werden). Der »Duft« kann lange anhalten und wird auch freigesetzt, wenn die Insekten eingesaugt und dabei zerrissen werden: Der Staubsaugerbeutel kann danach gleich in die Tonne. Insektizide sollten ebenfalls tabu sein, denn sie töten auch zahlreiche andere Insekten und gehören ohnehin nicht ins eigene Wohnzimmer. Die »Schwäbische« empfiehlt als umweltfreundliches Gegenmittel selbst produziertes Knoblauchspray, das die Wanzen schonend vertreiben soll. Am einfachsten ist es aber wohl, ins Haus verirrte Wanzen auf ein Blatt Papier krabbeln zu lassen und nach draußen zu tragen.

Für Obstgärtner problematisch ist allerdings die Marmorierte Baumwanze, die seit 2007 in Europa nachgewiesen ist und im südwestlichen Deutschland bereits an mehreren Orten wie rund um Konstanz, Freiburg oder Stuttgart auftritt. Wahrscheinlich wurde sie mit importiertem Obst aus China oder Nordamerika (wo sie ebenfalls versehentlich eingeführt wurde) eingeschleppt und breitet sich nun hier aus. Sie saugt an Äpfeln, Birnen, Him- und Brombeeren und gilt daher im Obstbau als gefürchteter Schädling, die in den USA oder Südtirol mittlerweile Schäden in Millionenhöhe verursacht.

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