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Zwergplaneten: Kaum kleine Krater auf Pluto und Charon

Kleine Mitglieder des Kuipergürtels – also Objekte mit einem Durchmesser von zwei Kilometern oder weniger – sind vermutlich selten. Darauf weist die geringe Anzahl kleiner Einschlagkrater auf den Oberflächen von Pluto und Charon hin.
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Kleine Mitglieder des Kuipergürtels – also Objekte mit einem Durchmesser von zwei Kilometern oder weniger – sind offenbar rar. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Kelsi Singer vom Southwest Research Institute in Boulder, Colorado. Sie untersuchten die Kraterverteilungen des Zwergplaneten Pluto und seines größten Monds Charon. Sie stellten fest, dass Einschlagkrater, die auf Impakte von Kuipergürtelobjekten mit Durchmessern kleiner als zwei Kilometer zurückgehen, viel seltener sind als bislang angenommen.

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Der größte Plutomond Charon | In der Region mit dem inoffiziellen Namen Vulcan Planitia, rechts unterhalb der Bildmitte, finden sich nur wenige Einschlagkrater mit Durchmessern unter 13 Kilometer. Ist das ein Hinweis darauf, dass kleine Kuipergürtelobjekte selten sind?

Die Planetologen um Singer nutzen dabei die Tatsache, dass auf Pluto und Charon die Einschlaggeschichte aus den letzten vier Milliarden Jahren erhalten blieb. Dafür werteten sie Bilder der Raumsonde New Horizons aus, die bei ihrem rasanten Vorbeiflug Mitte Juli 2015 rund 40 Prozent der Oberflächen beider Himmelskörper mit hoher räumlicher Auflösung fotografieren konnte. Insbesondere die Oberfläche von Charon eignet sich für die Kraterstatistik am besten. Seine innere geologische Aktivität ist sehr viel schwächer als auf dem doppelt so großen Pluto und zudem umgibt ihn auch keine Atmosphäre. Sie könnte sonst durch Ablagerungen die Oberflächenmerkmale verändern.

Die stichhaltigsten Informationen erhielten die Forscher von der Region mit dem inoffiziellen Namen Vulcan Planitia, die optimal von New Horizons erfasst wurde. Bei der Auswertung berücksichtigten Singer und ihre Koautoren geologische Prozesse, die Krater auf Charon auslöschen könnten. Dennoch zeigt sich, dass Einschlagkrater mit einem Durchmesser von weniger als 13 Kilometern deutlich seltener sind, als anhand anderer Modelle der Größen- und Häufigkeitsverteilungen für Objekte im Kuipergürtel angenommen wurde. Die gleichen Häufigkeiten fanden sich auch auf Pluto.

Die Forscher vermuten daher, dass kleine Objekte im Kuipergürtel sehr viel seltener und dass die Objekte dort überwiegend unveränderte Überbleibsel aus der Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren sind. Unterstützt werden diese Vorstellungen von den jüngsten Beobachtungen der Raumsonde New Horizons, die am Jahresanfang 2019 das kleine Kuipergürtelobjekt Ultima Thule aus der Nähe erkundete. Dessen Oberfläche zeigt nur kleine Gruben, bei denen noch nicht feststeht, ob es sich dabei um Einschlagkrater handelt.

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