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Blut leckende Fledermäuse: Warum macht Blut Vampire satt?

Blut ist zwar ein besonderer Saft, satt macht er aber nicht unbedingt, und dann enthält er auch noch eklig viele Krankheitserreger. Was tun, wenn man sein Leben als Gemeiner Vampir fristet?
Vampirfledermaus

Unter den Säugetieren finden sich aus gutem Grund nur gerade einmal drei Spezialisten, die sich ausschließlich vom Blut anderer Tiere ernähren: die drei Vampirfledermausspezies Desmodus rotundus (Gemeiner Vampir), Diphylla ecaudata (Kleiner Blutsauger) und Diaemus youngi (Weißflügelvampir). Diese gehen nachts auf die Suche nach schlafenden warmblütigen Wirbeltieren, ritzen sie in der Regel unbemerkt an und lecken das ausfließende Blut mit der Zunge auf. Zwar ist dies nicht unbedingt gefährlicher als andere Arten des Nahrungserwerbs – sicher ist es jedoch deutlich weniger nahrhaft, denn das zwar proteinreiche, aber sehr zucker- und vitaminarme Blut ist weniger energiehaltig als etwa Blütennektar und kann zudem allerlei Krankheitserreger enthalten. Wissenschaftler fragten sich nun, was die Natur sich Besonderes einfallen ließ, um die Fledermausspezialisten auf diese speziellen Umstände vorzubereiten – und fanden Hinweise in den Genen und im Mikrobiom des Gemeinen Vampirs.

Für ihre in "Nature Ecology and Evolution" veröffentlichte Studie hatten sie das Genom und das im Kot vertretene gesamte Erbgut der im Verdauungstrakt von Desmodus rotundus heimischen Mikroorganismen analysiert und mit dem von Fledermäusen verglichen, die sich von Blütennektar, Früchten oder räuberisch von Beutetieren ernähren. Dabei kamen einige Auffälligkeiten ans Licht: Vor allem scheint das Genom der Vampire durchschnittlich umfangreich zu sein, beinhaltet dabei aber rund doppelt so viele bewegliche genetische Elemente wie etwa Transposons. Diese sind offenbar im Lauf der Evolution der Blutsauger häufig in Abschnitte des Erbguts gesprungen, die wichtige Funktionen von Immunsystem und Virenabwehr sowie von Fett- und Vitaminstoffwechsel kodieren. Offensichtlich haben die Transposons etwas mit der Anpassung der Tiere an ihre besondere Ernährung zu tun. Daneben präsentiert sich erwartungsgemäß auch das Mikrobiom der Vampire anders als das von vergleichbaren Verwandten: In völlig gesunden Desmodus-rotundus-Exemplaren leben unter anderem gleich 280 Bakterienarten, die in anderen Säugetieren als Krankheitserreger fungieren würden.

Vampirfledermäuse haben einige weitere, schon seit Längerem bekannte Anpassungen an ihre Ernährungsgewohnheiten neben den speziellen Genvarianten und Darmbewohnern: So verfügen sie über besondere Infrarot- und Blutsensoren zum Aufspüren der Beute, einen angepassten Geschmackssinn sowie eine sinnvolle anatomische Grundausstattung. Dazu zählen beispielsweise die messerscharfen Zähne und Krallen zum Festhalten am Fell der angeritzten Beute – aber auch eine veränderte Nierenfunktion, die mit dem hohen Proteingehalt von Blut fertigwird.

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