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Orkanserie: Was Orkane wie Zeynep gefährlich macht

Der dritte über Deutschland ziehende Orkan dürfte die davor in den Schatten stellen. Er entwickelt sich extrem schnell und bringt wohl auch ein Starkwindphänomen namens Sting Jet.
Barkasse im Hamburger Hafen bei Sturm, im Hintergrund Containerschiffe.

Eine Kette aus drei Orkanen trifft derzeit Deutschland – und der letzte von ihnen wird vermutlich der schwerste. Sturm Zeynep, dessen Ausläufer etwa ab Freitag Mittag ankommen werden, bringt Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern an der Küste oder auf den Mittelgebirgen. Auch im Flachland, zum Beispiel in Hamburg und Bremen erwarten Fachleute Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Stundenkilometern.

Zeynep gehört zur Kategorie der »Bombenzyklone«, einer Form von Stürmen, die sich sehr schnell intensivieren. Von einem Bombenzyklon spricht man, wenn der Luftdruck in Zentrum in 24 Stunden um einen gewissen, von der geografischen Breite abhängigen Wert fällt. Bei 60 Grad nördlicher Breite sind es zum Beispiel 24 Millibar. Ursprung des Sturms ist ein Prozess namens explosive Zyklogenese, der in einem Streifen entlang der Bucht von Biscaya stattfindet.

Dabei tragen der starke Jetstream, Kaltfronten am Rand eines großen Tiefdruckgebiets und instabile atmosphärische Schichtung dazu bei, dass sich der Sturm Zeynep besonders schnell verstärkt. Es ist vor allem ein Streifen entlang von Zeyneps südlicher und östlicher Flanke, der die heftigsten Winde abkriegt, während der nördliche Sektor des Sturms Niederschläge bringt.

Ein Shapiro-Keyser-Zyklon?

Zur Starkwindgefahr trägt außerdem bei, dass der Sturm sich zu einer besonderen Art von Orkan aufzubauen scheint: Nach Ansicht des Atmosphärenforschers Simon Lee entwickelt er sich zu einem so genannten Shapiro-Keyser-Zyklon. Dieser Sturmtyp kann »Sting Jets« hervorbringen – heftige Fallwinde mit höheren Windstärken, als der Druckgradient allein erzeugen könnte. Das macht sie potenziell sehr zerstörerisch.

»Sting Jets« entstehen, weil sich Kalt- und Warmfront in einer Shapiro-Keyser-Zyklone ungewöhnlich verhalten. Statt gemeinsam um das Sturmzentrum zu rotieren und schließlich zusammenzutreffen, trennen sie sich. Die Kaltfront reißt ab, die Warmfront wickelt sich um den Kern des Sturms und zwischen beiden entsteht eine Lücke mit sehr trockener Luft.

In diese Lücke gerät feuchte Luft, deren Wasser in der Trockenheit verdunstet. Dadurch kühlt sie drastisch ab, verliert ihren Auftrieb und fällt zu Boden, wo sie sehr heftige Winde verursacht. Die schnelle Abwärtsbewegung kann sogar Teile des Höhenwindes mit zur Oberfläche ziehen, so dass der Sting Jet hohes Zerstörungspotenzial entfaltet.

Fachleute gehen derzeit davon aus, dass das Phänomen auftritt, während Zeynep noch über dem Nordatlantik ist. Doch sicher kann man da nicht sein, weil so kleinräumige Phänomene mit hoher Zerstörungskraft wie mögliche »Sting Jets« schwer präzise vorherzusagen sind.

Eine gute Nachricht gibt es allerdings auch: Die abgerissene Kaltfront einer Shapiro-Keyser-Zyklone ist oft relativ schwach. Deswegen reicht der Sturm nicht so weit nach Süden wie seine Vorgängerin Ylenia. Zeynep beschränkt sich vermutlich auf einen relativ schmalen Streifen im Norden Deutschlands.

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