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Geschlechterungleichgewicht: Warum sich Eltern von Töchtern häufiger scheiden lassen

Destabilisieren Töchter etwa ihre Familie, oder fördern Söhne den Zusammenhalt? Nein, sagen Forscher, und bieten eine gänzlich andere Erklärung für das rätselhafte Phänomen.
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Betrachtet man Daten zu Ehescheidungen (zumindest in den Vereinigten Staaten), stößt man auf ein rätselhaftes Phänomen: Die geschiedenen Paare haben überdurchschnittlich oft eine gemeinsame Tochter als erstes Kind. Warum ist das so?

Der Effekt ist zwar nur sehr klein, hat aber bereits zu zahlreichen Mutmaßungen Anlass gegeben. Zum Beispiel, dass sich Väter ihren Söhnen enger verbunden fühlen und daher das Risiko meiden, infolge einer Scheidung den Kontakt zu ihnen zu verlieren.

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Mehr Mädchen unter den Scheidungskindern | Ehen werden ein klein wenig häufiger geschieden, wenn das erste Kind ein Mädchen ist. Lauert dahinter eine unbewusste Bevorzugung von Jungen? Eine ganz anderere Erklärung haben nun zwei Forscher gefunden.

Amar Hamoudi von der Duke University und Jenna Nobles von der University of Wisconsin-Madison haben nun jedoch eine ganz andere Erklärung gefunden: Ihrer Meinung nach beginnt das Ungleichgewicht der Geschlechter schon vor der Geburt. Viele Ehen, die später geschieden werden, sind von Beginn an instabil. Das wiederum erhöht den Stress für die Schwangere. Und diesen Stress tolerieren weibliche Embryos ein wenig besser, so die Forscher. Bei männlichen Ungeborenen erhöht sich hingegen die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt.

Zwei statistische Beobachtungen, die diese vorgeburtliche Selektion indirekt belegen sollen, fanden Hamoudi und Nobles in den Daten einer Langzeitstudie aus den USA: Je größer der innereheliche Konflikt war, den die Befragten angaben, desto wahrscheinlicher bekamen sie eine Tochter und desto wahrscheinlicher ließen sie sich später scheiden. Beides zusammengerechnet genügt, um das leichte Ungleichgewicht zu erklären, berechneten die Forscher.

Dass weibliche Embryonen widerstandsfähiger sein könnten als männliche, wird bereits seit Jahrzehnten diskutiert. Entsprechende Untersuchungen sind allerdings schwierig durchzuführen, da Schwangerschaften, die nicht in einer Geburt enden, meist ebenso wenig von der Statistik erfasst werden wie das Geschlecht des Ungeborenen.

30. KW 2014

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 30. KW 2014

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