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Naturschutz: Warum sterben Eulen rund um Marihuanafelder?

Kalifornien hat Marihuana legalisiert, dennoch sprießen illegale Plantagen in den Wäldern. Und diese fordern tierische Opfer.
Fleckenkauz

Seit dem 1. Januar 2018 dürfen Kalifornier legal Marihuana erwerben – nach einem langen politischen Kampf wurde der Verkauf auch an Privatpersonen erlaubt. Diese Freiheit existiert aber noch nicht in allen US-Bundesstaaten, weshalb Kalifornien weiterhin mit den ökologischen Folgen der großflächigen Marihuanaproduktion zu kämpfen hat. Denn der Norden des Westküstenstaats bietet optimale Bedingungen für den Anbau der Cannabispflanzen: ein günstiges Klima, meist ausreichend Wasser für die durstigen Gewächse – und riesige, abgelegene Wälder, in denen sich die Felder gut verstecken lassen. Und das hat Auswirkungen auf die Tierwelt der Region, worauf eine weitere Studie von Mourad W. Gabriel von der University of California in Davis und seinem Team in "Avian Conservation and Ecology" hindeutet. Die Opfer: Eulen, die im Umfeld der Plantagen tot von den Bäumen fallen.

Für ihre Studie haben die Biologen 10 Nördliche Fleckenkauze (Strix occidentalis) und 84 Streifenkauze (Strix varia) untersucht, die sie verendet in Waldgebieten verschiedener nordkalifornischer Bezirke gefunden hatten, in denen zahlreiche illegale Plantagen angelegt wurden. 40 Prozent der Streifen- und sogar 70 Prozent der Fleckenkäuze wiesen in ihrem Gewebe Rückstände bestimmter Rattengifte auf, die von den Anbauern gegen die Nagetiere eingesetzt werden. Meist handelt es sich dabei um blutgerinnungshemmende Mittel, an denen die Ratten nach dem Fressen innerlich verbluten. Die Eulen – und auch andere Beutegreifer wie Fischermarder (Pekania pennanti) – schlagen die sterbenden Tiere leicht und nehmen dadurch das Gift selbst auf. Je nach Dosis kommt es dann zu tödlichen sekundären Vergiftungen, oder aber das Rodentizid reichert sich im Körper an, ohne sofort zu töten: Langfristig senkt es dennoch die Lebenserwartung der Vögel und Marder, indem es ihre Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt oder sie anfälliger für Krankheiten macht. Zudem pflanzen sie sich womöglich weniger fort, weil die Pestizide ihre Fruchtbarkeit senken oder die Embryonalentwicklung hemmen.

Dabei schaffen sich die illegalen Farmer ihre Probleme selbst: Sie legen Lichtungen im Wald an, die Pflanzenfresser anlocken. Ratten und andere Nagetiere wiederum werden außerdem noch vom Müll und den Lebensmittelresten angezogen, welche die Anbauer hinterlassen. Das erhöhte natürliche Nahrungspotenzial wiederum ruft auch Fressfeinde wie die Eulen auf den Plan, die schließlich als Kollateralschaden verenden. Für den Fleckenkauz und den Fischermarder bedeuten die Plantagen eine weitere Bedrohung. Der Bestand beider Arten geht seit Jahren stark zurück, weil ihr Lebensraum durch Abholzung zerstückelt wurde. Dazu kommen in den letzten Jahren die zunehmenden Vergiftungen. Langfristig könnte so um die Marihuanafelder der Bestand der Tiere ausgelöscht werden.

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