Ebola-Ausbruch 2026: Warum werden Ebola-Patienten in Deutschland behandelt?

Der aktuelle Ausbruch des Bundibugyo‑Ebolavirus in der Demokratischen Republik Kongo hält die Welt in Atem. Laut dpa werden ein US-amerikanischer infizierter Arzt sowie sechs Kontaktpersonen nach Deutschland verlegt, weil hierzulande gute Erfahrungen bei der Versorgung von Ebola-Patienten bestehen. Ein weiterer Grund: die relativ kurze Flugdauer. Zum genauen Behandlungsort gibt es zum aktuellen Zeitpunkt noch keine Informationen. Hier beantworten wir einige Fragen, die sich in diesem Zusammenhang stellen.
Wo in Deutschland kann Ebola behandelt werden?
Laut Auskunft des Robert Koch-Instituts gibt es entsprechend ausgestattete Behandlungszentren an der Charité Berlin sowie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, am Klinikum St. Georg in Leipzig, am Universitätsklinikum Düsseldorf, am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main, in der Klinik Schwabing in München und im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.
Wie sind die Sonderisolierstationen für Ebola-Fälle ausgerüstet?
In der Regel bestehen Sonderisolierstationen der Risikogruppe 4, in die Ebolaviren fallen, aus speziellen Unterdruckzimmern, die luftdicht abgeschottet und nur über mehrere Schleusen erreichbar sind. Weder kontaminierte Luft noch Abwasser kann nach außen gelangen. Alle Abfälle und Arbeitsmaterialien werden nach Gebrauch vollständig dekontaminiert. Ärzte und Pflegekräfte tragen Gebläse-Schutzanzüge und haben regelmäßige Schulungen für solche Situationen besucht. Da Patienten und Kontaktpersonen allein schon durch die Isolation psychisch sehr belastet sind, ist eine engmaschige persönliche Betreuung wichtig.
Ist Ebola genauso ansteckend wie »Corona« (SARS‑CoV‑2) oder Influenza?
Ebolaviren sind nach bisherigem Kenntnisstand nicht über die Atemluft übertragbar, sondern nur durch Körperflüssigkeiten wie Blut, Speichel, Schweiß, Sperma, Urin, Stuhl und Erbrochenes. Deshalb geht man davon aus, dass die Ansteckung von Mensch zu Mensch durch Körperkontakt oder kontaminierte Gegenstände stattfindet. Außerhalb des Körpers ist das Virus wahrscheinlich nur eine begrenzte Zeit lebensfähig. Allerdings könnten bei Ebolaviren (anders als beim »Corona«-Erreger SARS‑CoV‑2) nach den bisherigen Beobachtungen bereits geringste Mengen an Viruspartikeln für eine Infektion ausreichen.
Außerdem ist die Sterblichkeit wesentlich höher: Beim aktuellen Bundibugyo‑Ebolavirus beträgt sie laut aktuellen Schätzungen der WHO zwischen 30 und 50 Prozent.. Das ist etwas geringer als die Sterblichkeitsrate durch das Zaire-Ebolavirus, bei der die Erkrankung unbehandelt zu 90 Prozent tödlich verlief. Mit Stand 19. Mai 2025 sind beim aktuellen Ausbruch bereits 131 Menschen am Bundibugyo‑Ebolavirus verstorben. Die Ausbreitung scheint damit schneller zu sein als bei den bisherigen beiden kleinen Ausbrüchen dieser Variante in den Jahren 2007 und 2012.
Welche Behandlungserfahrungen hat man in Deutschland mit dem Ebolavirus?
Bereits in den Jahren 2014 und 2015 wurden in Deutschland schwer an Ebola erkrankte Menschen erfolgreich intensivmedizinisch behandelt. Dazu zählten ein infizierter Arzt aus Uganda am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main und ein WHO-Mitarbeiter aus Sierra Leone am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf – beide überlebten.
Allerdings ist noch unklar, wie man am besten mit dem selteneren Bundibugyo‑Ebolavirus (BDBV) umgeht. Für diese Variante gibt es bisher weder einen Impfstoff noch eine etablierte Therapie, weil die bisherigen BDBV-Ausbrüche zu klein waren, um umfangreichere Erfahrungen zu sammeln.
Wo wird derzeit in Deutschland an Krankheitsmechanismen und Impfstoffen gegen Ebolaviren geforscht?
Das bekannteste Zentrum der Ebolaforschung ist die Philipps-Universität Marburg. Aber auch in Berlin, Hamburg, Köln, Gießen und an weiteren Standorten gibt es entsprechende Hochsicherheitslabore, die für die Arbeit mit hochpathogenen Viren ausgestattet sind. Die Institute sind gut miteinander vernetzt und betreiben Grundlagenforschung etwa zu den Krankheitsmechanismen und der Genetik. Forschende aus Deutschland haben auch aktuelle Erkenntnisse zur Diagnostik von Ebolaviren beigetragen: 2025 etablierte ein internationales Team um Kim Heimsch und Victor Corman von der Charité Berlin beispielsweise einen empfindlichen PCR-Test, der auch neue Varianten detektiert, für die es noch keinen eigenen, spezifischen Nachweis gibt. Der Impfstoff für die Zaire-Variante schützt nicht vor einer Erkrankung am Bundibugyo‑Ebolavirus. An breit wirksamen Impfstoffen gegen Ebola wird zwar intensiv geforscht, es dürfte aber noch einige Jahre dauern, bis ein effektiver Impfstoff zugelassen wird.
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