Direkt zum Inhalt

Im Medizinschrank: Xylometazolin, Nasenspray mit Suchtpotenzial

Nach wenigen Minuten lassen Nasensprays verstopfte Nasen wieder freier atmen. Von längerer Anwendung ist jedoch aus drei Gründen abzuraten.
Insgesamt erstehen die Deutschen jedes Jahr rund 52 Millionen Sprühflaschen Nasenspray.Laden...

Tabletten gegen Kopfweh und Magenschmerzen, Salben für Brandwunden und Sportverletzungen – eine ordentliche Hausapotheke ist umfassend ausgestattet. Doch was für Wirkstoffe stecken eigentlich in den Medikamenten? Welche Mittel helfen wirklich, was ist umstritten? Und gibt es vielleicht eine gesündere Alternative? Wir werfen regelmäßig einen Blick auf die Mittel im Medizinschrank. Dieses Mal: Xylometazolin.

Wie viele haben das zu Hause?

Jedes Jahr erstehen die Menschen in Deutschland rund 52 Millionen Sprühflaschen Nasenspray. Mehr als 20 Millionen Packungen mit dem Wirkstoff Xylometazolin verkauft allein der Marktführer. Deren Inhalt gelangt als feiner Nebel in die Nase: mit jedem Sprühstoß etwa 0,1 Milliliter. Das klingt nach wenig, doch Nasensprays mit Xylometazolin sind alles andere als harmlos.

Wie wirkt das und wie gut?

Nach einem Sprühstoß in jedes Nasenloch schlagen sich die Tröpfchen des Aerosols auf der Nasenschleimhaut nieder. Bereits fünf bis zehn Minuten später stellt sich die gewünschte Wirkung ein: Die Nasenschleimhaut schwillt ab, Betroffene können freier atmen. Das liegt daran, dass Xylometazolin ein bisschen wie Adrenalin wirkt: Der Stoff verursacht eine Verengung der Blutgefäße in der Schleimhaut.

Die perfekte Hausapotheke

  • Hinein sollten auf jeden Fall: sterile Kompressen, Mullbinden, Verbandpäckchen und -watte. Ebenso diverse Pflaster, ein Dreiecktuch und Klammern, um Verbände festzustecken. Zudem ist es sinnvoll, eine Schere, ein Fieberthermometer, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel parat zu haben.
  • Hilfreich sind die Regeln für erste Hilfe und eine Liste mit den wichtigsten Rufnummern (112, ärztlicher und zahnärztlicher Bereitschaftsdienst, Apothekennotdienst). In einer Notsituation vergisst man solche Nummern schnell.
  • Standardmedikamente sind Mittel gegen Herpes, Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Fieber, Halsweh, Kopfschmerzen. Ebenso ratsam: Salben, die Brand- oder Sportverletzungen lindern.
  • Verschreibungspflichtige Arzneien wie zum Beispiel Blutdruckmittel oder Opiate gehören hingegen nicht in die Box.
  • Dunkel, kühl und trocken – so ist der perfekte Ort für die Hausapotheke. Bestenfalls steht sie also im Schlafzimmer oder Flur, nicht im Bad oder in der Küche.
  • Um Kinder zu schützen, sollte die Box abschließbar sein.
  • Für was war das noch gleich? Notizen auf der Verpackung und die Beipackzettel helfen.
  • Und wichtig: Prüfen Sie mindestens einmal im Jahr, ob noch alles drin und haltbar ist.

Was sind häufige Nebenwirkungen?

Abschwellende Schnupfensprays mit Xylometazolin haben einen großen Nachteil: Bei längerer Anwendung kommt es zum so genannten Rebound-Phänomen. Das bedeutet, dass sich die Schleimhäute an das Spray gewöhnen und umso stärker anschwellen, sobald die Wirkung nachlässt. Betroffene lässt das immer wieder zum Spray greifen – wodurch sich eine regelrechte Abhängigkeit entwickeln kann. Wie viele Menschen süchtig nach Nasenspray sind, dazu gibt es keine verlässlichen Daten. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen warnt jedoch, dass die Abhängigkeit bereits entstehen kann, »wenn die Mittel länger als fünf bis sieben Tage hintereinander angewendet werden«.

Was ist die Alternative?

Öfter als dreimal täglich und länger als eine Woche sollte sich laut Packungsbeilage niemand Xylometazolin in die Nase sprühen. Sonst drohen nicht nur Rebound-Effekt und Abhängigkeit, sondern zudem Schleimhautschäden und Entzündungen. Damit es gar nicht erst so weit kommt, können Schniefnasen alternativ zu Mitteln mit Salzlösungen oder Meerwassersprays greifen. Die wirken ebenfalls abschwellend und machen nicht süchtig. Wer unter Heuschnupfen leidet, dem raten Ärzte zu Antihistaminika statt Nasenspray.

Wann sollte man doch zum Arzt gehen?

Ein Besuch beim Hausarzt oder der Hausärztin ist empfohlen, wenn sich der Schnupfen nach einer Woche nicht langsam bessert, das Krankheitsgefühl stark bleibt oder Fieber hinzukommt.

Sie wollen mehr über die Medikamente »Im Medizinschrank« wissen? Im ersten Teil ging es um den beliebten Schmerzdämpfer Ibuprofen.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos