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News: Was bewirken Pflanzenhormone beim Menschen?

Zu Industriechemikalien gibt es Informationsblätter, die über umweltrelevante Stoffgrößen wie Giftigkeit, Anreicherungsvermögen oder fruchtschädigende Wirkungen informieren. Aber auch natürliche Substanzen aus Pflanzen oder Tieren geraten gelegentlich in die Schlagzeilen. So zum Beispiel die so genannten Phytoöstrogene, die sich auf den Zyklus von Frauen auswirken können. Einer Studie zufolge scheinen die Pflanzenhormone in niedrigen Dosen aber nicht weiter gefährlich zu sein.
Hormonähnliche Wirkungen von Umweltchemikalien auf Menschen und Tiere werden seit einigen Jahren diskutiert. Hinweise auf Fehlentwicklungen und Funktionsstörungen der Geschlechtsorgane von Fischen und Alligatoren sowie abnehmende Spermienzahlen bei Männern ließen die Wissenschaft aufhorchen. Dies führte zu verstärkten Forschungsbemühungen, insbesondere über Auswirkungen mancher Industriechemikalien, denen hormonähnliche Wirkungen nachgesagt wurden.

Dabei geriet aber ein Aspekt ein wenig aus den Augen: Auch Pflanzen produzieren hormonähnliche Wirkstoffe, so genannte Phytohormone. Zu diesen Pflanzen gehören wichtige Nahrungslieferanten wie Soja, sodass größere Mengen Phytohormone auf natürlichem Wege in die Nahrungskette gelangen.

Dies war für das Beratergremium für Altstoffe (BUA) der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Anlass genug, Phytohormone genauer unter die Lupe zu nehmen. Mit dem im August 2000 erschienenen Stoffbericht "Genistein" legt das BUA zum ersten Mal die Bewertung eines Naturstoffs vor, der zwischenzeitlich für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Genistein ist ein Pflanzenhormon aus der Gruppe der Phytoöstrogene und wurde als Modellsubstanz ausgewählt, weil es in vielen Nahrungspflanzen vorkommt, damit hohe Relevanz für den Menschen hat und weil viele Untersuchungen zu diesem Hormon vorhanden sind. Hohe Genisteinmengen sind in Soja, aber auch zum Beispiel in Erdklee und schwarzen Bohnen enthalten. Wie Studien zeigen, setzt Genistein die Fruchtbarkeit von Schafen und Vögeln herab, sodass vermutet wird, dass sich Pflanzen durch Genistein vor Fraßfeinden mit einer Langfriststrategie schützen.

Ernährungsbedingt nehmen besonders Asiaten und Säuglinge, die mit Sojamilch ernährt werden, hohe Genisteinmengen mit der Nahrung auf. So liegt der Genisteingehalt des Blutes von Japanern 43fach über dem von Finnen, bei Säuglingen mit Sojadiät gar 400fach. Bei diesen beiden Gruppen sollte man mögliche Auswirkungen also am ehesten feststellen können. Es zeigte sich, dass Japanerinnern im Vergleich zu Frauen in westlichen Ländern einen auf durchschnittlich 32 Tage verlängerten Periodenzyklus aufweisen und gleichzeitig ein um 25 Prozent reduziertes Brustkrebsrisiko haben. Beide Erscheinungen können vermutlich auf die Zufuhr von Phytohormonen mit der Nahrung zurückgeführt werden.

Bei Säuglingen mit Sojadiät konnten keinerlei nachteilige Effekte nachgewiesen werden. Diesen wegen der extrem hohen Hormonwerte im Blut zunächst überraschenden Befund erklärten die Wissenschaftler mit der Tatsache, dass sich Embryonen ohnehin in einem stark östrogenhaltigen Milieu entwickeln. Auch vermutete Effekte auf die Fertilität männlicher Nachkommen von Asiatinnen mit traditioneller Ernährung ließen sich nicht nachweisen.

Zusammenfassend kommt das Beratergremium in seinem Stoffbericht zu dem Schluss, dass negative Auswirkungen von Genistein beziehungsweise Phytohormonen auf den Menschen nicht nachweisbar sind, sondern dass im Gegenteil eher gesundheitsfördernde Merkmale, insbesondere durch Verminderung des Brustkrebsrisikos vorzuliegen scheinen. Dennoch wird von einer Einnahme hochdosierter Präparate zur Prävention abgeraten, da die Untersuchungen nicht ausreichen, um unerwünschte Nebenwirkungen mit Sicherheit auszuschließen.

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