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Coronavirus: Was das Sterberisiko bei Covid-19 erhöht

Alter, Geschlecht, bestimmte Vorerkrankungen – das alles hat Einfluss auf das Sterberisiko bei Covid-19. Eine groß angelegte Studie aus England bestätigt nun vorangehende Ergebnisse.
Füße einer toten PersonLaden...

Eine groß angelegte Untersuchung aus England bestätigt die Ergebnisse vorangehender Studien: Alte Menschen und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen, wie Diabetes und Adipositas, haben ein höheres Risiko, an Covid-19 zu sterben, als der Rest der Bevölkerung. Auch bei Männern ist das Sterberisiko höher als bei Frauen. Darüber hinaus versterben Schwarze Menschen und Asiaten eher an einer Infektion mit dem neuen Coronavirus als der Rest der Bevölkerung.

Für ihre Studie, die im Fachjournal »Nature« erschien, entwickelten die Wissenschaftler eine sichere Analyseplattform namens OpenSAFELY, die für 40 Prozent aller Patienten des National Health Service (NHS) in England pseudonymisierte Daten enthält. In den elektronischen Gesundheitsakten der insgesamt mehr als 17 Millionen Erwachsenen gab es fast 11 000 Todesfälle im und außerhalb des Krankenhauses, die mit Covid-19 in Verbindung gebracht wurden. Insgesamt liefert die Studie damit detaillierte Informationen über die Größe des Sterberisikos bei Covid-19 im Zusammenhang mit verschiedenen medizinischen Vorerkrankungen.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verändert die Welt«. Die weltweite Berichterstattung von »Scientific American«, »Spektrum der Wissenschaft« und anderen internationalen Ausgaben haben wir zudem auf einer Seite zusammengefasst.

Demnach erhöhen insbesondere Adipositas (besonders ab einem Body-Mass-Index von über 40), Diabetes, schweres Asthma sowie Atemwegs-, chronische Herz-, Leber-, neurologische und Autoimmunerkrankungen das Risiko, an Covid-19 zu sterben. Männer haben ein um rund 1,6-fach höheres Covid-19-Sterberisiko als Frauen. Menschen im Alter von 80 Jahren oder älter versterben mit einer 20-fach höheren Wahrscheinlichkeit an der Viruserkrankung als 50- bis 59-jährige Personen. Schwarze Menschen oder Menschen mit südasiatischem oder gemischtem ethnischem Hintergrund starben trotz Berücksichtigung ihrer medizinischen Vorerkrankungen rund 1,6- bis 1,9-mal häufiger an Covid-19 als Weiße. Klinische Faktoren trugen nur in geringem Maß zu diesem Risiko bei, was darauf hindeutet, dass soziale Faktoren wie Armut eine Rolle spielen könnten. Die Faktoren Rauchen und Bluthochdruck senkten hingegen beide leicht das Sterberisiko bei Covid-19.

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die gefundenen Zusammenhänge nicht unbedingt kausal sein müssen. Die Ergebnisse könnten auch auf Wechselwirkungen mit anderen klinischen Faktoren sein. Außerdem, so die Autoren, könnte es sein, dass nicht alle an Covid-19 verstorbenen Personen auch so klassifiziert wurden. Umgekehrt könne es auch Fälle geben, bei denen die Patienten fälschlicherweise als Covid-19-Tote eingestuft wurden. Dennoch stellt die Studie die bisher schon vermuteten Risikofaktoren auf ein valideres wissenschaftliches Fundament.

Anm. der Redaktion: Die Bezeichnung "dunkelhäutige Menschen" wurde durch "Schwarze Menschen" ersetzt.
28/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 28/2020

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