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Kommunikation

Was Herrchen lange ahnte

Darin sind sie ganz wie Menschen: Hunde hören - wenn sie hören - auf den Wortinhalt eines Kommandos ebenso wie auf die Betonung.
Hunde vor dem Tomatografen

Hunde erkennen in Herr- und Frauchens Befehlen sowohl den Wortinhalt ("Sitz") wie auch den Tonfall ("FASS!!!"), berichten Attila Andics und Kollegen nach einer ausgefeilten Versuchsreihe mit freiwilligen Vierbeinern. Demnach sei die Fähigkeit, Vokabeln zu verstehen, eben durchaus nicht eine im Zuge der Entwicklung von Sprache aufgekommene und ausschließlich auf den Menschen beschränkte Leistung des Gehirns, spekulieren die Forscher. Sie sei dagegen früher im Lauf der Evolution der Säugetiere angelegt worden.

Vokabeln lernende Hunde sind eigentlich längst Teil der Alltagskultur: Regelmäßig aktualisieren Interessierte die Rekordliste mit Tieren, die eine wachsende Zahl verschiedener Laut-Kommandos hören, verstehen und umsetzen. Hunde sollen demnach, je nach kognitiver Leistungsfähigkeit, durchaus 1000 und mehr Wörter zwischen "Aus" und "Such" meistern können. Wissenschaftlich nicht sauber geklärt war aber bislang, was genau bei diesem Prozess von den Tieren verarbeitet wird. Im Alltag, so Experten, würden Kommandos jedenfalls immer auch mit unterschiedlichen Betonungen versehen – also etwa ein Lob wie "Brav" in höheren Tonhöhen gesprochen –, was dann zusammen mit der Lautfolge entscheidend sei. Neutral gesprochene "Wörter" im strengen Sinn gebe es für Hunde also vielleicht gar nicht.

© Borbála Ferenczy
Schwere Geburt: Hunde gegen Tomograf
Es ist nicht immer leicht, mit Hunden Verhaltensexperimente durchzuführen. Die Sache wird jedenfalls nicht einfacher, wenn ein Magnetresonanztomograf ins Spiel kommt.

Falsch, meinen Andics und Kollegen: Sie spielten ihren Versuchshunden in mehreren Kombinationen Tonaufnahmen von verschiedenen Kommandos vor, die von den Haltern in lobender, tadelnder oder neutraler Färbung eingesprochen worden waren – unabhängig davon, ob dies zum Wortinhalt passte oder nicht. Zudem beobachteten die Experimentatoren im Magnetresonanztomografen, was sich im Gehirn der lauschenden Tiere jeweils tat – ein wegen der natürlichen Feindschaft von lautem Gerät und Versuchstier nicht ganz einfaches Unterfangen. Das Ergebnis war dann aber eindeutig: Unabhängig von der Intonation erkannten die Tiere den Wortinhalt und verarbeiteten ihn in der linken Hirnhemisphäre. Hier prozessieren auch Menschen Vokabelbedeutungen. Tonhöhen analysieren Mensch und sein bester Freund dagegen in der rechten Hirnhälfte im auditorischen Kortex – und beide nutzen schließlich sowohl die Intonation als auch die Wortbedeutung, um sich auf das Gehörte einen Reim zu machen und angemessen zu reagieren.

Zugegeben, so die Forscher, vielleicht seien der Hund und sein Gehirn in dieser Hinsicht eine Ausnahme unter den Säugetieren. Denn der Mensch hat im sozialen Kontakt zum Tier während dessen Domestikation spezielle Selektionskräfte ausgeübt. Allerdings wäre es sehr seltsam, wenn sich in der evolutionsgeschichtlich kurzen gemeinsamen Zeit von Mensch und Hund eine auch hirnanatomisch so auffällige Parallele aus dem Nichts entwickelt hätte. Die zu Grunde liegende Fähigkeit müsse also schon im gemeinsamen Vorfahren angelegt gewesen sein. Besonders sei der Mensch in dieser Hinsicht dann vor allem, weil er Wörter nicht nur verstehen, sondern eben auch erfinden könne.

35/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 35/2016

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