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Umfrage: "Was Ihr wollt"

Sie erinnern sich vielleicht noch? Im Dezember fragten wir Sie nach Ihrer Meinung zur Forschung 2005. Nun liegt sie vor: Die Rangliste der Wissenschaftsthemen, die Ihrer Meinung nach im Mittelpunkt des Interesses stehen sollten.
Vielleicht lag es an den erfolgreichen Missionen zum Mars, vielleicht auch an der aufkommenden Euphorie über die Cassini-Mission, die an den Weihnachtstagen ihre Huygens-Sonde erfolgreich gen Titan schickte: Die Weltraumforschung im weiteren Sinne gilt vielen Lesern auch 2005 als einer der wichtigsten Wissenschaftszweige.

Extraterrestrische Wissenschaften sind allerdings ein weites Feld, und deshalb gehen die einzelnen Meinungen weit auseinander, was man wie erforschen könnte: Das Suchen und Finden von Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems – möglichst mit Leben – nimmt jedenfalls eine herausragende Position ein. Allerdings ist sich die Leserschaft nicht schlüssig, ob diese Expeditionen nun bemannt oder unbemannt durchgeführt werden sollten.

Manch einer kann es jedoch kaum abwarten, bereits selbst in die unergründlichen Weiten des Alls vorzustoßen – oder zumindest eine Reise in die Erdumlaufbahn anzutreten. Die Raumfahrt für Privatpersonen wird aber wohl vorerst ein sehr teures Ausnahmevergnügen bleiben. Und ob bereits in nächster Zeit das Wohnen auf dem Mond realistisch wird, bleibt vorerst dahingestellt.

Ganz und gar nicht irdisch ist schließlich noch das Verlangen, Dunkle Materie endlich "sichtbar" zu machen, sodass man sich nicht mehr nur auf reine Berechnungen ihres Daseins verlassen muss.

Ähnlich hoch in der Gunst der Befragten, aber mit lebensnäherem Bezug, stehen Themen, die sich unter dem Titel "Gesundheit" zusammenfassen lassen. Die Hoffnungen sind groß, dass sich gerade hier im Jahr 2005 bahnbrechende Entwicklungen abspielen werden, von denen man eines Tages vielleicht auch selbst profitieren möchte.

So werden uns Krebs, Aids und weitere Infektionskrankheiten wie Sars oder Malaria dieses Jahr erneut beschäftigen. Gewünscht sind jedoch nicht nur wirksame, sondern ebenso erschwingliche Therapiemaßnahmen, die dann auch für die breiten Massen weniger wohlhabender Länder verfügbar wären. Auf der Medizin-Agenda ebenfalls ganz aktuell sind Mittel gegen Fettleibigkeit und Allergien.

Im weitesten Sinne kann man zudem die Stammzellen-Forschung und Teile der Gentechnik zum Medizin-Komplex zählen. Hier ziehen sich ähnliche Risse durch die Leserschaft wie durch die öffentliche Meinung: Soll therapeutisches Klonen erlaubt werden oder nicht? Darf man embryonale Stammzellen verwenden? Können Stammzellen bislang unheilbare Krankheiten zumindest abmildern? Was ist mit dem Klonen von Menschen? Mit Sicherheit werden diese Fragen 2005 im Mittelpunkt von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft stehen.

Ein Dauerbrenner bleibt weiterhin der Zustand unseres Planeten: Waldsterben, Artensterben, leere Meere. Was kann getan werden, um unsere Erde lebenswert zu erhalten? Antworten darauf zu finden und sinnvolle Lösungen zu entwickeln sollen Ihren Wünschen zufolge auch dieses Jahr ganz weit oben auf der Aufgabenliste von Politik und Wissenschaft stehen.

In diesem Zusammenhang brennt vielen der dräuende Klimawandel unter den Nägeln, und einige machen sich daher Gedanken zu einer nachhaltigen Energiewende. Vor allem Sonne, Wind und Biomasse sollen es Ihrer Meinung nach richten und unsere Abhängigkeit von Erdöl wie Kohle minimieren. In diesem Zusammenhang wurde allerdings erstaunlicherweise nur einmal die Fusionstechnologie genannt, die von vielen Physikern doch als die zukünftige Alternative schlechthin zu fossilen Energieträgern betrachtet wird.

In Physik und Technik stehen Nanotechnologien und Quantenmechanik im Vordergrund des Interesses: Schafft die Wissenschaft dieses Jahr den Durchbruch in der Entwicklung eines Quantencomputers? Wird es erste Nanoroboter geben? Und wie steht es um ihre Umweltverträglichkeit? Bietet die Nanotechnologie Lösungen für eine solare Zukunft? Vielleicht wissen wir an Silvester 2005 mehr.

Hoffentlich wird der nächste Jahreswechsel aber nicht wieder durch eine tragische Katastrophe wie 2004 überschattet, als das schwere Seebeben mit den folgenden Flutwellen Südostasien erschütterte. Ein Gegenmittel wäre jedenfalls eine bessere Vorhersagbarkeit von Beben, Stürmen oder Tsunamis – ein lohnendes Ziel für die Forscherzunft ist dies allemal.

Um all diese Wissenschaften überhaupt durchführen zu können, ist viel Geld nötig. Nicht wenige Teilnehmer der Umfrage haben sich die Finanzierungsfragen durch den Kopf gehen lassen und Sorgen geäußert, wie man die Forschung unabhängig von Politik und wirtschaftlichen Sachzwängen weiter gestalten kann. Die Finanzmisere der deutschen Universitäten und die Einflussnahme der amerikanischen Regierung auf Forscher ihres Landes stehen exemplarisch für diese Problematik.

Einer Grundvoraussetzung werden aber von Ihnen jegliche wissenschaftliche Aspekte und Fragestellungen untergeordnet: Frieden. Ohne Freiheit von Kriegen und Tyrannei ist keine effektive Forschung möglich. Dem können wir uns nur anschließen.
05.02.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05.02.2005

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