Harmloser als befürchtet: Das passiert, wenn uns ein winziges Schwarzes Loch trifft

Anfang der 2000er-Jahre hielt ich einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel »Sieben Wege, wie ein Schwarzes Loch dich töten kann«. Trotz des eher makabren Themas war es eigentlich ein unterhaltsamer Vortrag – echte Wissenschaft, getarnt als augenzwinkernde Reihe astrophysikalischer Katastrophenszenarien. Ich behandelte die üblichen Themen, darunter das einfache Hineinfallen in ein Schwarzes Loch und das »Spaghettifizieren« oder das Zunahekommen an den Gammastrahlenausbruch, der bei der Entstehung eines neuen Schwarzen Lochs freigesetzt wird.
Heute wünschte ich mir jedoch, ich hätte auch das Thema behandelt, von einem subatomaren Schwarzen Loch von der Masse eines Asteroiden und mit einer Geschwindigkeit von einer Million Kilometern pro Stunde getroffen zu werden, das in den ersten Augenblicken nach dem Urknall entstanden ist. Die darauffolgende Schockwelle muss einen wegblasen, während das Schwarze Loch einen schmalen Korridor durch den Körper frisst.
So absurd das klingt – genau dieses Szenario untersuchte eine Arbeit, die im Jahr 2025 in der Fachzeitschrift »International Journal of Modern Physics D« veröffentlicht wurde – ein eher ungewöhnliches Thema für eine wissenschaftliche Abhandlung. Der Titel lautet: »Gravitationswirkungen eines kleinen primordialen Schwarzen Lochs, das den menschlichen Körper durchquert«. Tatsächlich lassen sich einige wissenschaftliche Schlussfolgerungen über Schwarze Löcher und sogar über Dunkle Materie aus der Tatsache ziehen, dass wir glücklicherweise noch nie ein solch grauenhaftes Ereignis beobachtet haben.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision dürfte in etwa so hoch sein wie die Chance, gleichzeitig im Lotto zu gewinnen, während eines Haiangriffs sowohl vom Blitz als auch von einem Asteroiden getroffen zu werden und dabei auf einem Einrad mit Erdferkeln zu jonglieren
Da sich manche Menschen über solche Dinge Sorgen machen, zunächst die gute Nachricht: Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas überhaupt passiert – geschweige denn Ihnen oder jemandem, den Sie kennen –, ist so (buchstäblich) astronomisch gering, dass sie kaum sinnvoll ausgedrückt werden kann. Sie dürfte in etwa so hoch sein wie die Chance, gleichzeitig im Lotto zu gewinnen, während eines Haiangriffs sowohl vom Blitz als auch von einem Asteroiden getroffen zu werden und dabei auf einem Einrad mit Erdferkeln zu jonglieren.
Fühlen Sie sich besser? Okay, schauen wir uns das Ganze einmal genauer an – aber nicht zu genau.
Zu Anbeginn der Zeit
Wie ich bereits in meiner Kolumne »The Universe« vom 27. März 2026 schrieb, könnten primordiale Schwarze Löcher (englisch: primordial black holes, PBHs) in den ersten winzigen Sekundenbruchteilen nach dem Urknall entstanden sein. Damals herrschten immense Drücke und Dichten, die Materieklumpen theoretisch auf so kleine Volumina komprimiert haben könnten, dass die Schwerkraft dieser Klumpen riesig wurde und einen unkontrollierten Kollaps auslöste. Voilà: primordiale Schwarze Löcher!
Es gibt keine wirkliche Untergrenze für die Masse eines PBH. Doch aufgrund bizarrer quantenmechanischer Effekte senden sehr winzige Schwarze Löcher tatsächlich eine Art von Strahlung aus, die als Hawking-Strahlung bezeichnet wird. Dadurch verlieren sie nach und nach Masse und »verdampfen« regelrecht. Jedes urzeitliche Schwarze Loch mit einer Masse von weniger als etwa einer Milliarde Tonnen wäre inzwischen vollständig verschwunden. Andere theoretische Überlegungen, die etwa beobachtbare Effekte mitberücksichtigen, verschieben diese Grenze eher in Richtung von 100 Milliarden Tonnen. Das entspricht in etwa der Masse eines eher kleinen Gesteinsasteroiden mit vielleicht vier oder fünf Kilometern Durchmesser (siehe »Dunkle Vielfalt«). Ein Einschlag eines solchen Asteroiden auf der Erde wäre sehr schlimm – nicht ganz so schlimm wie derjenige, der vor 66 Millionen Jahren die Nicht-Vogel-Dinosaurier auslöschte, aber dennoch kein wirklich schöner Tag. Das Seltsame daran – und wahrscheinlich völlig entgegen der Intuition – ist, dass ein PBH mit dieser Masse bei Weitem nicht so verheerend wäre. Wie kann das sein? Es ist schließlich ein Schwarzes Loch. Es müsste den Planeten doch auseinanderreißen, oder?
Schwarze Löcher kommen in nahezu allen vorstellbaren Größen vor – von den Giganten im Herzen von Galaxien mit Millionen bis Milliarden Sonnenmassen bis hin zu den hypothetischen primordialen Schwarzen Löchern mit subatomaren Ausdehnungen. Die Illustration ist nicht maßstabsgetreu.
Die Realität sieht jedoch so aus, dass es sich um ein sehr, sehr kleines Schwarzes Loch handelt. Ein PBH in diesem Massenbereich wäre weitaus kleiner als ein Wasserstoffatom. Obwohl die Gravitationskraft eines Schwarzen Lochs extrem stark ist, nimmt sie mit der Entfernung rapide ab. Aus einem Kilometer Entfernung wäre die Anziehung praktisch nicht mehr spürbar.
In unmittelbarer Nähe hingegen wäre sie millionenfach stärker als die der Erde. Das Schwarze Loch wäre hier entsprechend recht gut darin, Materie anzuziehen. Es hätte jedoch nicht viel Zeit dafür: Die typische Geschwindigkeit, mit der sich ein primordiales Schwarzes Loch durch den Raum bewegt, dürfte bei mehreren Hundert Kilometern pro Sekunde liegen, also bei etwa einer Million Kilometern pro Stunde. Es würde in weniger als einer Minute glatt durch unseren Planeten hindurchfliegen.
Die Menge an Material, die es in dieser Zeit ansammeln würde, wäre zwar nicht groß, entlang seiner Bahn könnte es dennoch starke lokale Effekte erzeugen. Zusammen mit der rasanten Bewegung des Schwarzen Lochs würde dies eine Stoßwelle erzeugen, die einem Erdbeben nicht unähnlich wäre. Eine im Jahr 2012 in der Fachzeitschrift »The Astrophysical Journal« veröffentlichte Studie zeigt, dass ein PBH mit einer Masse von einer Milliarde Tonnen, das die Erde durchquert, ein seismisches Ereignis auslösen würde, das in etwa einem Erdbeben der Stärke 4,0 auf der Richterskala entspricht. Man würde es deutlich spüren, aber es wäre nicht besonders zerstörerisch. Selbst ein 100-Milliarden-Tonnen-PBH wäre zwar stärker, aber weiterhin nicht katastrophal.
Harmloser als befürchtet
Was aber, wenn ein solches Objekt direkt einen Menschen träfe?
Die bereits erwähnte Arbeit aus dem Jahr 2025 kommt zu dem Schluss, dass dies nicht gerade erfreulich ausgehen würde. Die Energie der Stoßwelle, die auf einen menschlichen Körper einwirkt, würde der eines Geschossaufpralls ähneln – was zwar, gelinde gesagt, beunruhigend ist, jedoch kein Todesurteil darstellt. Wie die Autoren feststellen, liegt die Mindestmasse für ein PBH, um »erhebliche« Verletzungen zu verursachen, bei etwas mehr als 100 Milliarden Tonnen – also genau in der Größenordnung, die wir hier betrachten.
Die Mindestmasse für ein Schwarzes Loch, um ›erhebliche‹ Verletzungen zu verursachen, liegt bei etwas mehr als 100 Milliarden Tonnen
Zusätzlich wurden auch die Auswirkungen der Gezeitenkräfte betrachtet, die bei einem solchen Ereignis möglicherweise Zellen oder Organe auseinanderreißen könnten. Angesichts der extrem kurzen Zeit, die das Schwarze Loch benötigen würde, um einen menschlichen Körper zu durchqueren – etwa eine Mikrosekunde –, wären die Gezeitenkräfte allerdings minimal. Es wäre eine rund 100-mal größere Masse erforderlich, um Gewebe in einem biologisch schädlichen Ausmaß zu zerstören, selbst wenn es direkt durch Ihr Gehirn hindurchfliegen würde. Das ist wohl eine Erleichterung.
Der zurückbleibende physische Tunnel wäre auch nicht so direkt schädlich, wie man vielleicht denken könnte; das PBH wäre so klein und würde sich so schnell bewegen, dass es wahrscheinlich bloß mit einer kleinen Anzahl von Atomen in Ihrem Körper direkt interagieren und trotz seiner starken Gravitationskraft nur einen submikroskopischen Kanal hinterlassen würde. Eine solche Kollision wäre ohnehin außerordentlich selten.
Der Teleskopverbund LISA wird das erste weltraumgestützte Observatorium für Gravitationswellen sein und seine bodengebundenen Vorgänger hinsichtlich der Empfindlichkeit weit übertreffen. Drei Satelliten bilden dabei einen riesigen, dreieckigen Detektor mit Armen von 2,5 Millionen Kilometern Länge, der der Erde auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne folgt (Illustration). Damit sollen Gravitationswellen aus fernen Galaxien aufgespürt werden und möglicherweise auch solche, die bei der Verschmelzung primordialer Schwarzer Löcher entstehen.
Des dunklen Rätsels Lösung?
Es gibt eine Hypothese, dass PBHs einen Anteil der Dunklen Materie ausmachen könnten, jenes mysteriösen Materials, von dem wir wissen, dass es existiert und im Universum die normale Materie im Verhältnis von etwa 5 zu 1 übertrifft. Zukünftige Instrumente sind vielleicht in der Lage, Hinweise auf diese urzeitlichen Objekte aufzuspüren (siehe »Ein Gravitationswellen-Observatorium im All«). Es ist schwer zu sagen, wie glaubwürdig diese Idee ist, aber wir können sie nutzen, um die Wahrscheinlichkeit zu berechnen, dass ein solches Schwarzes Loch auf einen Menschen trifft. Als Obergrenze können wir davon ausgehen, dass dies einmal in einer Trillion Jahre geschieht. Für einen normalen Menschen bedeutet das: nie.
Die Erde ist natürlich ein größeres Ziel, und schenkt man einer weiteren Arbeit Glauben, so sollte ein 100 Milliarden Tonnen schweres PBH »schon« rund einmal alle Milliarde Jahre unseren Planeten durchqueren. Das ist allerdings eine Obergrenze, wohlgemerkt. Noch dazu setzt die Annahme voraus, dass diese winzigen Schwarzen Löcher überhaupt existieren – das wissen wir bislang nicht. Und wenn sie einen geringeren Anteil an der Dunklen Materie ausmachen als derzeit ausgemalt, würde die Wahrscheinlichkeit für eine Kollision nochmals sinken.
Ich bin Astronom und denke viel über Schwarze Löcher nach, doch in meinem Alltag mache ich mir mehr Sorgen um den Klimawandel, Autounfälle und die Gefahr, in der Dusche auszurutschen, als um eine Begegnung mit einem primordialen Schwarzen Loch. Aber nur zur Sicherheit werde ich versuchen, mich vom Einrad fernzuhalten, während ich mit Erdferkeln jongliere.
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