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Alltagsprobleme: Was schlaflose Nächte mit Stress zu tun haben

Manche brauchen nur ein paar Minuten, andere quälen sich über Stunden: Sie können einfach nicht schlafen. Wie hängt das mit Stress zusammen?
Eine Frau liegt mit offenen Augen im Bett, im Vordergrund ein Wecker Laden...

Wer beim Arbeiten unter Druck steht, schläft schlechter. Umgekehrt belastet schlechter Schlaf auch den beruflichen Alltag. Doch Stress im Job verursacht mehr Schlafstörungen als andersherum, so das Ergebnis einer schwedischen Langzeitstudie, die im »Journal of Sleep Research« erschienen ist.

Das Team um Johanna Garefelt von der Universität Stockholm wollte klären, wie Schlafprobleme und berufliche Belastungen einander wechselseitig beeinflussen. Dazu werteten die Stressforscherin und ihre Kollegen Daten von rund 3700 Erwachsenen aus, die zwischen 2008 und 2014 viermal über ihren Schlaf und ihren beruflichen Alltag Auskunft gaben. Erfragt wurden Zeitdruck und Entscheidungsspielräume bei der Arbeit, Stressempfinden (»Es gibt Tage, an denen ich mich die ganze Zeit unter Druck fühle«) und das Arbeitsklima (»Ich komme gut mit meinen Vorgesetzten zurecht«, »Die Atmosphäre an meinem Arbeitsplatz ist ruhig und angenehm«).

Im Mittel litten die Versuchspersonen nach eigenen Angaben gelegentlich bis mehrmals im Monat unter Schlafstörungen. Je stressiger sie ihre Arbeit fanden, je schlechter das Klima, je weniger Autonomie und je höher die Anforderungen, desto mehr Schlafprobleme gaben die Befragten noch zwei Jahre später an: Sie schliefen schlechter ein, wachten nachts häufiger auf und fühlten sich morgens weniger erholt.

Umgekehrt war der Zusammenhang schwächer. Zwar belasteten Durchschlafstörungen den beruflichen Alltag, nicht aber Probleme mit dem Einschlafen. Die Studienautoren vermuten entsprechend, dass Letztere die Fähigkeiten, mit Stress und Beziehungen umzugehen, nicht mindern. Um den Teufelskreis aus Stress und Schlafstörungen zu durchbrechen, empfehlen sie, berufliche Belastungen wie Zeitdruck zu reduzieren und Entscheidungsspielräume zu vergrößern.

3/2020 (Mai/Juni)

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum Psychologie, 3/2020 (Mai/Juni)

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