Direkt zum Inhalt

Wal in Not: Gestrandeter Wal in der Ostsee – was bekannt ist

Der an der Ostsee gestrandete Wal hat sich in der Nacht offenbar freigeschwommen. Wie konnte man das Tier retten und wie geht es ihm? Fachleute geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Ein Rettungsboot der Feuerwehr mit mehreren Personen in roten Anzügen und gelben Helmen in der Nähe des gestrandeten Wals in der Ostsee bei Niendorf.
Am 23.03 war in der Lübecker Bucht vor Niendorf ein gestrandete Buckelwal entdeckt worden.
Aktualisiert am 27.03.2026 um 17:30 Uhr.

Montagfrüh war ein Wal auf einer Sandbank vor Niendorf in der Lübecker Bucht entdeckt worden. Nach mehreren Rettungsversuchen konnte sich der festsitzende Wal in der Nacht zu Freitag befreien. Der 12 bis 15 Meter lange Meeressäuger sollte nun möglichst in die Nordsee und dann in den Atlantik schwimmen. Zunächst hieß es Freitagmorgen, der Wal sei auf Kurs hinaus aus der Lübecker Bucht. Mehrere Stunden später wurde das Tier aber erneut vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor es sich wieder von der Küste entfernte. Natur- und Umweltschützer versuchten, den Wal von einer Rückkehr ins flache Wasser abzuhalten. Die Organisationen Sea Shepherd und Greenpeace waren nach eigenen Angaben mit Schlauchbooten in der Lübecker Bucht unterwegs.

Freitagnachmittag wurde der Buckelwal vor Warnkenhagen (Nordwestmecklenburg) in Küstennähe gesehen, sagte eine Sprecherin von Sea Shepherd gegenüber der dpa. Die Begleitung mit Booten wurde Freitagnachmittag unterbrochen, wie Sprecher der Wasserschutzpolizei und der Umweltschutzorganisation Greenpeace vermeldeten. Die Helfer wollen am Samstag wieder herausfahren, wie die Greenpeace-Sprecherin sagte. Voraussetzung sei, dass man die Position des Wals ausmachen könne. Sie bat die Bevölkerung, Walsichtungen zu melden oder in den sozialen Medien zu posten. 

Wie stehen die Chancen, dass der Wal in die Nordsee findet? Es gebe immer mal wieder Großwale in der Ostsee, die dort Wochen waren und auch den Weg in die salzreichere Nordsee zurückgefunden hätten, sagte Walexpertin Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) der dpa. Die Ostsee ist für das Tier eine Sackgasse, bietet auf Dauer nicht genügend Nahrung und auch ihr Salzgehalt ist zu niedrig, wodurch Hautentzündungen entstehen und das Tier geschwächt wird.

Wie konnte der gestrandete Buckelwal gerettet werden?

Das hohe Gewicht der Säugetiere macht es sehr schwierig, Wale von einer Sandbank oder vom flachen Wasser aus ins tiefere Wasser zu bekommen, damit sie wieder frei schwimmen können. Ausgewachsene männliche Buckelwale erreichen eine Länge von etwa 15 Metern und wiegen rund 35 Tonnen. Das gestrandete Tier in der Lübecker Bucht ist etwa 12 bis 15 Meter lang. 

Seit Donnerstag waren mehrere Bagger im Einsatz, um eine 50 Meter lange, sechs Meter breite und 1,20 Meter tiefe Rinne vor dem Kopf des Wals zu graben. So müsse sich das Tier nicht drehen, um wegkommen zu können, erklärte Carsten Mannheimer von der Meeresschutzorganisation Sea Shepherd gegenüber der dpa am Mittwoch. Besonders herausfordernd waren bei der Rettungsaktion Wind und Strömung. Bei den Arbeiten war höchste Konzentration gefragt. Man müsse sich bis auf einen Zentimeter an den Kopf des Tieres heranarbeiten, so der Bürgermeister von Timmendorfer Strand, Sven Partheil-Böhnke, am Donnerstag gegenüber der dpa. Dies sei auch für den Buckelwal nicht ganz ungefährlich. Die Einsatzkräfte hatten am Donnerstagabend noch bei Dunkelheit und im Scheinwerferlicht an der Rettung des festsitzenden Buckelwals gearbeitet. Doch schließlich mussten sie ihre Bemühungen erfolglos einstellen. Zuvor hatte der Meeressäuger immerhin ein Stück seine Position verändert, wie ein dpa-Reporter berichtete. Am frühen Freitagmorgen war der Wal dann verschwunden und schwimmt nun in der Lübecker Bucht.

Der Wal war am Montag auf einer Sandbank vor Niendorf in der Lübecker Bucht entdeckt worden. Zunächst versuchten Polizeiboote, größere Wellen zu verursachen, um dem Wal zu helfen, sich freizuschwimmen. Doch um den Wal nicht weiter zu stressen, wurde die Aktion abgebrochen. Am Dienstag sollte ein Saugbagger unter dem Buckelwal eine Schneise saugen, doch nach etwa zwei Stunden musste auch dieser Rettungsversuch beendet werden, da der Sand zu fest war. 

Wie geht es dem gestrandeten Buckelwal?

Fachleute vor Ort haben bei dem Wal bereits Hautveränderungen festgestellt, vermutlich auch zugezogen durch die Strandung. Allerdings sehe der Wal äußerlich noch gut ernährt aus. Der Biologe Robert Marc Lehmann stand am Donnerstag während der Rettungsaktion neben dem Wal im Wasser und leitete den Schwimmbagger an. Der Wal reagierte auf den Besucher mit lautem Schnauben und heftigen Bewegungen, hatte die Augen geöffnet. Die Begutachtung habe ergeben, dass es um das Tier offenbar relativ gut stehe, sagte ITAW-Walexpertin Stephanie Groß am Donnerstag gegenüber der dpa. Der Wal habe allerdings noch eine Leine im Maul, bei der niemand wisse, was sie innerlich mit dem Tier mache. Man habe die Leine soweit möglich entfernt, so Groß. »Der Wal war jetzt nicht willig, das Maul zu öffnen. Deswegen konnte das, was im Wal ist, nicht entfernt werden.« Die Leine sitze fest. 

Ist dieses Tier schon einmal gesichtet worden?

Offenbar ja. Anfang März war ein Wal im Wismarer Hafen aufgetaucht. Damals hatten Einsatzkräfte das Tier weitgehend von einem Stellnetz befreit, in dem es sich zuvor verfangen hatte. Einige Teile des Netzes, unter anderem eine Leine, verblieben allerdings am Tier. Danach gab es wiederholt Sichtungen vor der Küste. Die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd hatte den Meeressäuger nach eigenen Angaben in der vergangenen Woche von weiteren Netzresten befreit. Der Buckelwal war demzufolge in Richtung offenes Meer geschwommen. »Wir sind uns ganz sicher, dass es sich um denselben Wal handelt, weil Drohnenaufnahmen Teile des Netzes zeigen, in dem er sich vor Wismar verfangen hatte«, sagt Biertümpfel. Buckelwale können nach Expertenangaben bis zu etwa 30 Tonnen Gewicht erreichen und haben eine Lebenserwartung von bis zu 90 Jahren. Kennzeichnend für die Art sind die langen, Flipper genannten Brustflossen, die ein Drittel der Körperlänge erreichen.

Wo wurden in letzter Zeit noch Wale gesichtet?

Anfang Januar schwamm ein großer Wal in der Flensburger Förde zwischen dem Hafen und dem dänischen Kollund. Bei diesem Tier habe es sich um einen Finnwal gehandelt, wie Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum der dpa sagte. Es wurde dem Meeresmuseum demnach am 7. Januar gemeldet. An einer Kerbe in der Rückenfinne habe man den Wal gut identifizieren können. Die Größe des offenbar jungen Tiers werde auf acht Meter geschätzt. Finnwale sind mit einer Länge von bis zu 25 Metern die zweitgrößten Tiere der Erde – nur der Blauwal ist größer.

Warum stranden Wale?

Die Ursachen für Walstrandungen sind vielfältig. Oft lässt sich nicht eindeutig klären, warum ein Tier an Land gespült wird. Krankheiten, Altersschwäche und mehrere andere Faktoren spielen hierbei zusammen. Für Wale können flache Küstenregionen mit langsam abfallendem Meeresboden, Wattflächen, Rinnen oder ungewöhnliche Unterwasserstrukturen zur Falle werden: Sie kommen mit der Flut zum Fressen, werden dann von der Ebbe überrascht und bleiben im flachen Wasser stecken. Manchen Tieren wird auch ihr Sozialverhalten zum Verhängnis: Folgen Artgenossen einem kranken oder desorientierten Tier, stranden oft ganze Gruppen. Lärm durch Schiffe, Sonargeräte oder seismische Messungen beeinträchtigt ebenfalls die Orientierung und löst mitunter panikartige Fluchtreaktionen aus. Hinzu kommen Gefahren wie Fischereigeräte, in denen sich Wale verfangen, oder Kollisionen mit Schiffen, die oft tödlich enden. Chemische und pharmazeutische Giftstoffe reichern sich im Fettgewebe der Tiere an. Das kann ihr Immun- und Hormonsystem beeinträchtigen und sie anfälliger für Krankheiten und Parasiten machen. Solche geschwächten Meeressäuger enden vermehrt an Land. Auch großräumige Veränderungen im Meer – etwa infolge des Klimawandels oder verschobener Nahrungswanderungen – führen zu Navigationsfehlern. Zudem könnte es in manchen Gruppen an Erfahrungswissen fehlen, da der industrielle Walfang viele ältere Leittiere dezimiert hat.

Welche Walarten leben in der Ostsee?

Nur Schweinswale sind in der Ostsee heimisch, sagt Almut Neumeister, Sprecherin des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Diese Tiere sind mit etwa zwei Meter Länge relativ klein, jedenfalls im Vergleich zu ihren Verwandten wie Pott- oder Buckelwalen, und werden häufig mit Delfinen verwechselt. In der zentralen Ostsee leben nach Erkenntnissen von Monitorings etwa 200 Schweinswale, in der Beltregion einige Tausend. Ihre Zahl sei aber rückläufig und sie gehörten zu den bedrohten Arten, so Neumeister.

Buckelwale leben normalerweise in polaren und tropischen Meeren, doch im Jahr 2025 sind mehrfach Tiere in der Ostsee gesichtet worden. Große Wale tauchten dort auf, weil sie auf der Suche nach Nahrung oft Fischschwärmen folgen, wie Neumeister erläutert. Denkbar sei zudem, dass Unterwasserlärm ihre Orientierung beeinträchtige. Gerade junge Wale erkundeten auch gerne ihre Umgebung. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Meeresschutz wurden in den vergangenen Jahrzehnten ebenso Belugas, Narwale und Zwergwale in der Ostsee gesichtet. (dpa/doe)

WEITERLESEN MIT »SPEKTRUM +«

Im Abo erhalten Sie exklusiven Zugang zu allen Premiumartikeln von »spektrum.de« sowie »Spektrum - Die Woche« als PDF- und App-Ausgabe. Testen Sie 30 Tage uneingeschränkten Zugang zu »Spektrum+« gratis:

Jetzt testen

(Sie müssen Javascript erlauben, um nach der Anmeldung auf diesen Artikel zugreifen zu können)

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.