Waschmaschinen: Wie wäscht man umweltfreundlich, aber rein?

Der Umwelt zuliebe sollten Waschmaschinen auf niedriger Temperatur laufen – so liest man es häufig in der Presse. Doch einige Fachleute widersprechen dem vehement. Hinter der Kontroverse stehen unterschiedliche Sichtweisen: Die einen wollen Klimaschutz, den anderen ist die Hygiene wichtiger. Und die Hersteller möchten natürlich Profit. Daher haben sie Enzyme entwickelt, die auch bei niedriger Temperatur Flecken entfernen können – und vermarkten ihre Produkte gern mit dem Hinweis darauf. So hat die Firma Procter & Gamble (Ariel) gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation WWF die Kampagne »Kälter waschen für den Klimaschutz« lanciert.
Klar ist: Wer bei niedrigen Temperaturen wäscht, kann viel Strom einsparen. Laut dem Umweltbundesamt benötigt es 46 Prozent weniger Energie, wenn man bei 40 statt bei 60 Grad Celsius wäscht. Und noch einmal 38 Prozent weniger, wenn man 30 statt 40 Grad Celsius wählt. Aber wie hygienisch ist das?
Auf die Kleidung gelangen viele Mikroorganismen. Sie kommen einerseits aus der Waschmaschine selbst. So fand eine aktuelle Studie ein reichhaltiges mikrobielles Leben in deren Inneren, wobei jeweils charakteristische Bakterienfamilien in Biofilmen die unterschiedlichen Geräteteile besiedelten. Darunter waren auch potenzielle Krankheitserreger. Eine Forschungsgruppe aus der Türkei wies 2017 bei etwa einem Viertel der 99 getesteten Waschmaschinen den Pilz Candida parapsilosis nach, der bei immungeschwächten Menschen gefährliche Infektionen auslösen kann.
Und als Wissenschaftler der Hochschule Rhein-Waal in Kleve die Bakterienzahl auf sauberen Handtüchern vor und nach dem Reinigen in Haushaltswaschmaschinen untersuchten, entdeckten sie: Nach dem Waschen waren mehr Bakterien vorhanden als vorher. Die Geräte können also auch Keimschleudern sein. »Damit sich in der Waschmaschine keine Mikroorganismen ansammeln, ist es wichtig, gelegentlich mit 60 Grad zu waschen«, sagt Benjamin Eilts, Professor für Angewandte Reinigung und Hygiene an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen.
Keime in den Klamotten mögen es körperwarm
Das größte krankheitserregende Potenzial haben Bakterien, die Menschen selbst in der Kleidung zurücklassen. Denn das sind die Spezies, die uns besiedeln können. Aber gerade für diese sind niedrige Waschtemperaturen günstig. »Die Mikroorganismen, die auf unserem Körper leben und damit auf Textilien gelangen, mögen Temperaturen um 36 Grad Celsius«, sagt Benjamin Eilts. »Bei einer Waschtemperatur von 30 Grad überleben sie also.«
Zwar spüle ein Waschgang ungefähr 90 Prozent der Mikroben aus Kleidungsstücken heraus, die verbliebenen Keime bildeten jedoch die Basis für deren erneutes Wachstum. Entsprechend kritisch sieht Eilts den Trend zu Niedrigtemperaturen von 20 oder sogar 15 Grad Celsius. »Klar kann man so mal eine Gardine oder eine Jeans reinigen«, sagt er. »Aber Kleidungsstücke, die die Haut berühren, sollten mindestens bei 40 Grad Celsius gewaschen werden – und alles, was in Küche, Bad und Bett benutzt wird, bei 60 Grad.«
»Kleidungsstücke, die die Haut berühren, sollten mindestens bei 40 Grad Celsius gewaschen werden«Benjamin Eilts, Ernährungs- und Hygienetechniker
Manche Erreger bleiben auf Textilien lange infektiös. So etwa das Mpox-Virus, das Wissenschaftler noch drei Tage nach Kontakt mit einem Infizierten auf Handtüchern und Bettwäsche nachgewiesen haben – in größerer Menge als irgendwo sonst in der Wohnung und in einem Zustand, in dem es Zellen infizieren konnte. Die meisten Menschen erholen sich innerhalb von wenigen Wochen von Mpox (früher Affenpocken), doch etwa Kinder, Schwangere und Menschen mit Immunschwäche haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
Bei Noroviren muss man auch mal bei 60 Grad waschen
»Mpox-Viren haben zwei Hüllen mit viel Proteinanteil, das macht sie sehr stabil«, sagt Maren Eggers, Vorsitzende der Desinfektionskommission für Viren der Deutschen Vereinigung für Virusbekämpfung. Mpox ist hierzulande zwar vergleichsweise selten, aber es gibt andere pathogene Viren, die in Haushalten öfter vorkommen. Insbesondere Noroviren, gefürchtete Erreger von Brechdurchfall, sind höchst ansteckend – und äußerst stabil. Es wurden schon Fälle beschrieben, bei denen eine Infektion über den Teppichboden erfolgte, zwölf Tage nach dessen Kontamination!
»Noroviren haben eine stabile Proteinhülle«, erklärt Eggers. »Im Privathaushalt sollte normal verschmutzte Wäsche bei 40 Grad Celsius und stark verschmutzte oder mit Krankheitserregern kontaminierte Kleidung bei mindestens 60 Grad gewaschen werden.« Problematisch sei allerdings, dass Haushaltsmaschinen nicht unbedingt die eingestellte Temperatur erreichen, beziehungsweise diese nicht ausreichend lange halten. »Bei Ausbruch einer Brechdurchfallkrankheit würde ich deswegen immer eine möglichst hohe Temperatur wählen«, rät die Biologin. Für viele Textilien ist 60 Grad allerdings das Maximum.
Wenn jedoch nicht gerade eine sehr ansteckende Infektionskrankheit grassiert, ist die Keimbekämpfung in der Haushaltswäsche weniger relevant. »Kontakt mit Mikroorganismen ist normal und verursacht in der Regel keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen«, schreibt etwa das Umweltbundesamt zum Thema. Und doch können Mikroben stören, selbst wenn von ihnen keine Gefahr ausgeht. »Wenn eine große Zahl von Bakterien in der Wäsche übrig bleibt, fängt diese schnell an zu stinken«, sagt Eilts.
Müffelt die Kleidung auch nach dem Waschen noch, treffen viele Verbraucher aber die falsche Entscheidung: Sie geben beim nächsten Waschgang Hygienespüler hinzu. »Gegen die Bakterien ist das nicht wirklich wirksam«, so Benjamin Eilts, der das in einer noch nicht veröffentlichten Studie untersucht hat. »Im besten Fall überdecken die enthaltenen Duftstoffe die unangenehmen Gerüche.«
Hygienespüler sind nicht unbedingt hygienisch
Hygienespüler enthalten meist in recht hoher Konzentration Benzalkoniumchlorid, einen Stoff, der sich an Zellmembranen anlagert und diese dadurch zerstört. So werden Bakterien und Pilze abgetötet – allerdings nicht bei den Mengen, die in der Waschtrommel vorhanden sind, wenn man einige Milliliter hinzugibt. »Sollen Hygienespüler wirken, so müsste die Konzentration 100- bis 1000-mal höher sein als das, was in den Trommeln erreicht wird«, sagt Eilts. »Wenn man also ein Kleidungsstück direkt darin einlegt, funktionieren die Spüler, sonst eher nicht.«
Und Benzalkoniumchlorid bleibt nicht ohne Folgen für die Umwelt. Slowenische Forscherinnen fanden eine schädliche Wirkung auf Mikroalgen, wenn (wie im Abwasser üblich) bestimmte Medikamente vorhanden waren. Ein portugiesisches Team wies außerdem erhöhte Mutationsraten und veränderte Stoffwechselaktivitäten bei Regenbogenforellen nach.
»Sollen Hygienespüler wirken, so müsste die Konzentration 100- bis 1000-mal höher sein als das, was in den Trommeln erreicht wird«Benjamin Eilts, Ernährungs- und Hygienetechniker
»Benzalkoniumchlorid kann biologisch nicht leicht abgebaut werden, sich in Sedimenten anreichern und längerfristig die Fortpflanzung und das Überleben von Gewässerorganismen beeinträchtigen«, schlussfolgert Cornelia Kienle. Die deutsche Ökotoxikologin beschäftigt sich am staatlichen Schweizer Oekotoxzentrum in Dübendorf bei Zürich mit den Auswirkungen von Haushaltschemikalien auf die Umwelt. »Es können dadurch Algen, Krebstiere und Fische geschädigt werden.«
Auch für Menschen kann die Substanz problematisch sein. Chinesische Forscher beschrieben 2024 den Fall einer Familie, in der drei Menschen an einer Kontaktallergie erkrankten – und das nur, weil sie Kleidung getragen hatten, die mit einem benzalkoniumchloridhaltigen Waschmittel gewaschen worden war.
Lieber Pulver als Flüssigwaschmittel
Besser lassen sich Gerüche mit einem normalen Vollwaschmittel in Pulverform beseitigen. »Es enthält Bleichmittel mit reaktivem Sauerstoff, und dieses tötet die Bakterien ab«, sagt Eilts. Zwar sind Flüssigwaschmittel heute beliebter. Doch auch in Sachen Umweltverträglichkeit ist Waschpulver überlegen. »Um die gleiche Reinigungsleistung wie Pulver zu erreichen, muss man beim Flüssigwaschmittel mehr Tenside zugeben«, erklärt Kienle. »Sie belasten dadurch die Kläranlagen und Gewässer stärker.« Tenside sind die chemischen Moleküle, die den Schmutz aus der Kleidung herauslösen.
Flüssigwaschmittel enthalten oft auch Konservierungsstoffe, etwa das besagte Benzalkoniumchlorid oder Isothiazolinone. »Diese greifen unspezifisch biologisches Material an«, erläutert Kienle. »Dadurch sind sie nicht nur schädlich für Wasserorganismen, sondern können zusätzlich allergische Reaktionen bei Menschen auslösen.« Außerdem findet sich in Flüssigwaschmitteln häufig das Phosphonat DTPMP, aus dem das umstrittene Herbizid Glyphosat im Abwasser entstehen kann. Laut Hersteller Bayer ist Glyphosat »giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung«.
»Glyphosat im Oberflächenwasser schädigt Wasserpflanzen und Plankton und verringert damit das Nahrungsangebot für Tiere«, sagt Jörg Oehlmann, Professor für Ökotoxikologie an der Universität Frankfurt. Auch für Insektenlarven ist es giftig, und Kaulquappen, die glyphosathaltigem Wasser ausgesetzt waren, entwickelten Wachstumsdefekte.
»Flüssigwaschmittel belasten die Kläranlagen und Gewässer stärker«Cornelia Kienle, Ökotoxikologin
Können wir als Verbraucher etwas tun, damit weniger Glyphosat im Wasser landet? »Privat vermeide ich Produkte, die DTPMP enthalten«, sagt Carolin Huhn, Professorin für Umweltanalytik an der Universität Tübingen, die den Zusammenhang zwischen Waschmittel und der Glyphosatentstehung entdeckt hat. Das ist jedoch schwierig, da auf dem Etikett die Substanz nicht angegeben wird. Allerdings steht dort die Stoffklasse, zu der DTPMP gehört: Phosphonate. Nicht alle Waschmittel enthalten diese. »Wer also sicher gehen will, kauft ein Waschmittel ohne Phosphonate«, sagt Carolin Huhn.
Als Faustregel kann man sich merken: DTPMP ist vor allem in Waschpods enthalten, das sind Kapseln mit konzentriertem Flüssigwaschmittel, die von einer wasserlöslichen Folie umschlossen sind. Mit Pulver kann man tendenziell etwas sicherer sein, kein Glyphosat in die Umwelt zu bringen. Waschmittel mit den Ökozertifizierungen Ecogarantie, EcoCert und NCP – gleichgültig ob Pulver oder flüssig – enthalten keine Phosphonate und auch keine bedenklichen Konservierungsmittel.
Auf die richtige Dosierung kommt es an
Wenn man möglichst umweltschonend waschen möchte, sind schlussendlich die Dosierung des Reinigungsmittels und die Beladung der Maschine entscheidend. »Wer zu viel Waschmittel nimmt, bekommt keine sauberere Wäsche«, sagt Cornelia Kienle. »Man belastet dann einfach die Umwelt stärker – und hat unnötig hohe Kosten.« Je höher Wasserhärte und Verschmutzungsgrad der Wäsche, desto mehr Waschmittel braucht man zwar. Aber oft richten sich Verbraucher nicht strikt nach der Dosierungsangabe, sondern nach dem Motto: Viel hilft viel.
Eine Studie des Öko-Instituts in Freiburg/Breisgau zeigte bereits 2008, dass Waschmaschinen, die automatisch die Menge des Waschmittels dosieren, ein Drittel weniger davon verbrauchen. Heute geben Hersteller an, dass ihre entsprechenden Geräte bis zu 60 Prozent der Chemikalien einsparten, verglichen mit manuellem Befüllen. Der Nachteil: Die automatische Dosierung funktioniert nur mit Flüssigwaschmittel. »Wenn man eine neue Maschine kauft oder schon hat, ist es sinnvoll, sich für eine automatische Dosierung zu entscheiden«, sagt Kienle. »Die neuen Geräte bestimmen die Verschmutzung und dosieren dann gezielt; dadurch wird deutlich eingespart.« Viele neue Modelle wiegen auch die Wäsche und gehen damit ein weiteres Problem an. »Wer nur kleine Mengen reinigt, verbraucht unnötig viel Waschmittel und Energie«, sagt Cornelia Kienle.
Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.