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News: Wasser in Gefahr

Schon heute leben zwei Milliarden Menschen in Wassermangelgebieten. Doppelt so viele werden es im Jahr 2025 sein, falls die Entwicklung weitergeht wie bisher. Auf dem zweiten 'World Water Forum', das bis zum 22. März 2000 in Den Haag tagte und mit dem 'Welttag des Wassers' zu Ende ging, legten Wissenschaftler diese Ergebnisse einer neuen weltweiten Studie vor.
Eine gesicherte Wasserversorgung wird eine der großen Herausforderungen des Jahrhunderts werden. Schon jetzt leben gemäß einer Studie von Wissenschaftlern der Universität Gesamthochschule Kassel (GhK) zwei Milliarden Menschen in Gebieten, in denen Wasser knapp ist. Überall auf dem Globus werden viele Flüsse durch enorme Wasserentnahmen überbeansprucht. Städte, Industrien, Bewässerungslandwirtschaft und ganze Staaten geraten in erhebliche Konkurrenz um die knappe Ressource Wasser. Die Studie – "World Water in 2025" – wurde im Rahmen der Hintergrundanalysen der "Weltkommission für Wasser im 21. Jahrhundert" durch das Zentrum für Umweltsystemforschung an der Kasseler Universität angefertigt.

Die Wissenschaftler entwickelten ein neuartiges Computer-Modell namens "WaterGAP", das sie für die Berechnungen in der nun vorgelegten Studie verwendeten. Dieses Modell verknüpft Bevölkerungs-, Wirtschafts-, Wassernutzungs- und Abflussdaten aller Flusseinzugsgebiete weltweit, um die derzeitige globale Wasserversorgung abzuschätzen und Prognosen über deren Entwicklung zu erstellen. Danach werden heute für verschiedene Verwendungszwecke jährlich auf der Erde etwa 3600 Kubikkilometer Wasser des Süßwasserkreislaufes genutzt. Es wird erwartet, dass dies bis zum Jahr 2025 auf 4100 Kubikkilometer ansteigt.

Die Zukunftsaussichten der Wasserversorgung unterscheiden sich regional sehr stark:

  • In Westeuropa und anderen OECD Ländern sinkt die Wassernutzung weiter. Dennoch bleibt der Druck auf die Wasserressourcen und damit auf Ökosysteme in einigen Flüssen sehr hoch, wie beispielsweise in der Elbe oder im nordamerikanischen Rio Grande.
  • In West- und Zentralafrika wird sich der Wasserbedarf bis zum Jahr 2025 mehr als verdoppeln. Der öffentliche Sektor in diesen Regionen wird sich der Herausforderung stellen müssen, die Infrastrukturen zur Deckung des Bedarfes auszubauen.
  • In Asien beobachtet man schon heute Wasserknappheit in weiten Teilen des Kontinents. Diese wird aufgrund der anhaltend zunehmenden Wasserentnahmen weiter verstärkt.

Insgesamt leben derzeit weltweit zwei Milliarden Menschen – also jeder Dritte – in Wassermangelgebieten, also in Flusseinzugsgebieten unter hohem "Wasserstress". Ein Flusseinzugsgebiet wird von den Autoren der Studie als unter hohem "Wasserstress" eingestuft, wenn 40 Prozent oder mehr des jährlichen Abflusses und erneuerbaren Grundwassers zur Nutzung entnommen wird. Wenn die derzeitigen Trends sich fortsetzen, so könnten bis zum Jahr 2025 bereits vier Milliarden Menschen – das heißt dann jeder Zweite – betroffen sein.

Wichtig ist auch der internationale Aspekt des Problems – denn weltweit befinden sich 40 Prozent der gesamten Landoberfläche in Flusseinzugsgebieten, die in zwei oder mehr Staaten liegen. Die Studie geht davon aus, dass ein Drittel dieser Fläche bis zum Jahr 2025 von hohem Wasserstress betroffen sein wird. Daher kann die Konkurrenz um die Ressource Wasser auch zu weiteren Spannungen zwischen Nationen führen.

Joseph Alcamo, Leiter des Zentrum für Umweltsystemforschung an der Universität Kassel, meint: "Unsere Studie verdeutlicht, dass eine Fortsetzung der derzeitigen Entwicklungen nicht vertretbar sein kann. Um eine Verschärfung der heute schon absehbaren Krisen durch Wasserknappheiten zu verhindern, müssen wir bald handeln." Unter anderem empfiehlt die Studie, die Effizienz in der Wassernutzung weiter zu steigern – beispielsweise den Wasserverlust durch undichte Stellen in den Verteilungssystemen zu verringern, Wasserrecycling in Kraftwerken und Industrie weiter zu intensivieren und den Einsatz von hocheffizienten Bewässerungssystemen zu fördern.

In der Studie wird aber vor allem betont, dass Steigerungen der Effizienz alleine nicht ausreichen werden. Vielmehr ruft sie dazu auf, die Art und Weise wie wir Wasser nutzen, grundlegend zu überdenken – dies könnte, zum Beispiel, eine Umstrukturierung des Elektrizitätssektors weg von kühlungsintensiven thermischen Kraftwerken hin zu wassersparsamen Kraftwerkstypen oder alternativen Energieträgern beinhalten. Grundlegende Reformen sind vor allem auch im landwirtschaftlichen Bereich notwendig, denn weltweit werden 70 Prozent der Wasserentnahmen zur Bewässerung verwendet. So wird in der Studie bezweifelt, dass ausreichend Wasser zur Deckung einer zunehmenden Nachfrage nach Fleischprodukten zur Verfügung steht. Denn steigender Wohlstand steigert auch den Fleischverbrauch, und dies erfordert vermehrten Anbau von Viehfutter auf bewässerten Flächen vor allem in den Entwicklungsländern. Es stellt sich insgesamt die Frage, ob es möglich ist, verstärkt von künstlich auf natürlich bewässerte Landwirtschaft umzusteigen.

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