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Ökologische Chemie: Wasserqualität des Jangtse besser als befürchtet

Die Verschmutzung des Jangtse zwischen dem Drei-Schluchten-Damm und Shanghai bewegt sich in ähnlichen Größenordnungen wie in verschiedenen europäischen Flüssen. Dies liegt allerdings unter anderem an den gigantischen Abflussmengen, durch die sich die eingeschwemmten Schad- und Nährstoffe entsprechend verdünnen. Die absoluten Werte hingegen seien Besorgnis erregend hoch, mit entsprechend negativen Auswirkungen für das Ökosystem im Mündungsbereich des Stromes.

Ein internationales Wissenschaftlerteam um Beat Müller von der ETH Zürich hatte im Herbst 2006 über sechs Wochen lang kontinuierlich Wasserproben genommen und analysiert. Die Expedition, die die 1500 Kilometer zwischen dem Drei-Schluchten-Damm und Shanghai zunächst flussabwärts gefahren und dann zum Ausgangsort zurückgekehrt war, hatte vergeblich nach dem vom Aussterben bedrohten Baiji oder Jangste-Flussdelfin gesucht.

Laut der nun vorgestellten Ergebnisse würden beispielsweise verschiedene Schwermetallgehalte europäische Grenzwerte nicht überschreiten, berichten die Forscher. Sie seien sogar deutlich niedriger als im Rhein in den 1980er Jahren. Anders als in Europa, wo die Konzentrationen von Schadstoffen im Wasser inzwischen sinken, verzeichneten die Wissenschaftler im Jangste durch den Vergleich mit älteren Daten jedoch einen Anstieg: Die Stickstoff-Gehalte beispielsweise haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdoppelt. Um Schlimmeres zu verhindern, müssten daher sofort Schutzmaßnahmen eingeleitet werden, so August Pfluger von Baiji.org und Initiator der Expedition.

Der Jangste schüttet den Daten zufolge täglich geschätzt 1500 Tonnen Stickstoff in das ostchinesische Meer, Eutrophierung mit Algenblüten sind die Folge. Gefahr droht auch durch toxische Metalle wie Arsen, von dem 4,6 Tonnen täglich den Ozean erreichen – es reichert sich, wie andere Metalle oder organische Verbindungen, in den Sedimenten und Organismen an und kann über die Nahrung oder auch Trinkwasserentnahme die menschliche Gesundheit beeinträchtigen.

Einen Zusammenhang zwischen der chemischen Wasserqualität und dem Aussterben des Baiji sehen die Forscher nicht. Sie vermuten vielmehr Lebensraumzerstörung und Beeinträchtigungen durch den Schiffsverkehr als entscheidende Faktoren für das Verschwinden des Süßwasserdelfins. Und hier sind die Zukunftsaussichten düster: Der weitere Ausbau von Industrie entlang des Stromes, Wasserentnahme für Bewässerungsprojekte und Energiegewinnung sowie das Abpumpen von Jangtse-Wasser in das Einzugsgebiet des Gelben Flusses, um dort Wassernot zu bekämpfen, werden Chinas längstem Strom massiv zusetzen. Die Wissenschaftler warnen davor, nach dem Ausrotten des Baiji dadurch auch das Überleben anderer einzigartiger Spezies des Jangtse zu gefährden.

Der Jangtse ist der drittlängste Fluss der Welt. An der Mündung schüttet er im jährlichen Schnitt 39 000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ins Meer. Zum Vergleich: Der Rhein erreicht am Pegel bei Rees vor der niederländischen Grenze gerade einmal 2280 Kubikmeter pro Sekunde. (af)

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