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Evolution: Wechseljahre auch bei Belugas und Narwalen

Zwei weitere Walarten teilen eine seltene Besonderheit des Menschen - und sie leben in von Müttern und Töchtern dominierten Gruppen. War das bei Menschen einst auch so?
Beluga
Menschen sind ausgesprochen seltsam – aber sie sind immerhin nicht die Einzigen. Zwei weitere Tiere teilen nun eine ihrer kuriosesten Eigenschaften: Belugas und Narwale durchlaufen ebenfalls eine Menopause, berichtet nun eine Arbeitsgruppe um Samuel Ellis von der University of Exeter. Mit den beiden Walen erhöht sich die Zahl der Tierarten mit ausgeprägten Wechseljahren auf fünf – den Menschen und vier Zahnwale. Die Arbeitsgruppe stellt in »Scientific Reports« eine Methode vor, mit der sie untersuchte, ob Walweibchen schneller unfruchtbar werden als ihre Körper altern – also ob sie nach dem Ende ihrer fruchtbaren Zeit noch lange weiterleben. Bei drei von insgesamt 16 untersuchten Arten fanden die Fachleute bei älteren Weibchen inaktive Eierstöcke, darunter Belugas und Narwale, von denen man das bisher nicht wusste.

Je mehr andere Tiere mit dieser Eigenschaft Fachleute entdecken, desto mehr Informationen bekommt man über den evolutionären Ursprung der Wechseljahre. Die nämlich sind erst einmal eine Kuriosität. Die meisten Tierarten können sich während ihres ganzen Lebens fortpflanzen – was sinnvoll ist, denn je mehr Nachwuchs, desto höher die Chance, die eigenen Gene weiterzugeben. Der Mensch ist zusammen mit den Zahnwalen eine der seltenen Ausnahme. Frauen kommen in die Menopause, sie werden durchschnittlich im Alter von etwa 50 Jahren unfruchtbar, obwohl sie noch Jahrzehnte weiterleben können. Alle unsere nahen Verwandten dagegen, ob Schimpansen oder Gorillas, bleiben bis nahezu ans Ende ihres Lebens fortpflanzungsfähig.

Die Erklärung könnte in einer besonderen Sozialstruktur früher Menschengruppen liegen. Damit sich die Strategie durchsetzen konnte, brauchte es gute Gründe, dass die Weibchen einerseits auf Fortpflanzung verzichten, aber andererseits trotzdem weiterleben. Das sei dann der Fall, so das Team um Ellis, wenn eine Art in engen, von Müttern und ihren Töchtern dominierten Gruppen lebt, in der Weibchen mit zunehmendem Alter von immer mehr jüngeren weiblichen Verwandten umgeben sind. Unter solchen Umständen würden weitere Nachkommen nur mit den vorherigen Generationen um Ressourcen konkurrieren, so eine Untersuchung von 2017 an Schwertwalen, die ebenfalls eine Menopause haben. Dass die älteren Weibchen dennoch nicht einfach sterben und so auch ihre eigenen Ressourcen für die nächsten Generationen freigeben, soll die bislang allerdings schlecht belegte »Großmutter-Hypothese« erklären. Demnach wiegt der Nutzen der von den älteren weitergegebenen Erfahrungen die von ihnen verbrauchten Ressourcen mehr als auf.

35/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 35/2018

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