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Psychologie für Weihnachtsmuffel: Drei Tipps für eine harmonische Familienfeier

So kommen Sie gut durch die Feiertage: ein psychologischer Notfallkoffer für Weihnachten mit der Familie.
Ein geschmückter Weihnachtsbaum mit verschiedenen Dekorationen, darunter ein hölzerner Engel mit der Aufschrift „Let's Be Jolly“, rote und goldene Kugeln, eine Tannenzapfenverzierung und ein Paar rot-weiß gestreifte Beine. Der Baum ist mit grünen Nadeln und Lichtern geschmückt, die eine festliche Atmosphäre schaffen.
Der gute Vorsatz allein genügt nicht immer.

Vielleicht kennen Sie das: An Heiligabend erwarten manche Familienmitglieder, dass alles so läuft, wie es sich für Weihnachten »gehört«, schön besinnlich und nach alter Tradition. Wenn alle Lust darauf haben: Glückwunsch! Allerdings sind hohe Erwartungen auch die beste Voraussetzung, um enttäuscht zu werden. Etwa bei der Bescherung, wenn Geschenke nicht so gut ankommen wie erhofft. Oder wenn jemand keinen Braten essen oder keinen Alkohol trinken will oder zumindest nicht in den geforderten Mengen. Ein alter Konflikt bricht auf, ein langgehegter Groll kommt wieder hoch: Schon erreicht die Stimmung den Gefrierpunkt. Oder den Siedepunkt, je nach Temperament der Beteiligten. Wie kann man das Unglück noch in letzter Sekunde abwenden? Mit diesen psychologischen Strategien steigen die Chancen.

1. Einen Konfliktpuffer mitbringen

Der Idealfall: Ein Familienmitglied hat einen neuen Partner im Schlepptau, und alle wollen einen guten Eindruck hinterlassen. Andere Mitgeschleppte, etwa ein frisch getrennter Freund, der sonst allein im verlassenen Haus sitzen würde, können ebenfalls als Konfliktpuffer dienen. Schließlich möchte sich niemand schon beim ersten Kennenlernen eine Blöße geben.

Eine andere Option: einen Hund mitnehmen. Sollte niemand in der Familie über einen netten Vierbeiner verfügen, dann gibt es vielleicht Bekannte, die über Weihnachten verreisen und ihren Hund nicht mitnehmen wollen? Die Vierbeiner heben nicht nur bei Kindern, sondern bei Menschen jeden Alters die Stimmung. Und notfalls eignen sie sich als Vorwand, um mit einer Gassirunde etwaige Konfliktparteien zu trennen. Oder um selbst ein bisschen abzukühlen und außer Haus nette Kontakte zu knüpfen.

2. Gemeinsam singen oder basteln

Die Stimmung droht (trotzdem) zu kippen? So schnell wie möglich die Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken. Zu Weihnachten bieten sich dafür vor allem zwei Aktivitäten an: Singen und Basteln. Singen wirkt als sozialer Eisbrecher: Es verbindet Menschen schneller als andere gemeinschaftliche Tätigkeiten und kann sogar soziale Gräben überwinden. Do-it-yourself steigert das Wohlbefinden. Es muss nichts Kompliziertes sein: Mit einer Schere wird aus Papier eine Schneeflocke. Und selbst bei mäßigem Interesse an Handarbeit kann es Freude bereiten, aus Wolle flauschige Bommel herzustellen und einen Schneemann oder niedliche Tierchen zu basteln.

3. Geschenke umfunktionieren

Eine hässliche Vase oder kratzende Socken – gedankenlose Geschenke sorgen oft für Unmut. Umgekehrt kann die fehlende Freude über das Präsent kränken. Sensibles Feedback wäre zwar gut, aber besser erst später, unter vier Augen. In der Akutsituation ist es klüger, den Ärger mit einer Methode aus der Psychotherapie im Zaum zu halten, der »kognitiven Umstrukturierung«, in diesem Fall: »Umfunktionierung«. Beliebt ist das heimliche Weiterverschenken sowie eine Variante davon, das Schrottwichteln. Dafür eignet sich das unliebsame Objekt praktischerweise umso mehr, je schrecklicher es ist. Sollte es doch ganz brauchbar sein, nur eben nicht den eigenen Geschmack treffen, findet es vielleicht bei einer Bahnhofsmission einen dankbaren Abnehmer.

Eine weitere Option: das Geschenk als eine Art Rätsel anzusehen, eine Bewährungsprobe für den eigenen Erfindungsreichtum. Wozu kann eine Vase noch dienen, wenn nicht zur Dekoration? Wofür kann man noch Socken verwenden, außer zum Bekleiden der Füße? Eine gute Methode, um divergentes Denken zu üben und sich zugleich auf andere Gedanken zu bringen.

Kommt es trotz allem zu Konflikten und ist eine Lösung nicht in Sicht? Keine Sorge, das ist normal: Familienstreit bleibt in der Regel ungelöst. Wer meint, dass früher die Jüngeren weniger Widerworte gaben: Schon in den Achtzigerjahren waren es angeblich eher die Kinder als die Eltern, die einen Streit vom Zaun brachen. Und schon damals ging es meist um Lappalien.

Zurück in die Gegenwart: Über ein Weihnachtsdebakel kann man sich bis ins neue Jahr hinein ärgern – auch darüber, dass man sich überhaupt ärgert. Eine zuverlässige Methode, um unglücklich zu werden und zu bleiben. Wer sich in diese Sackgasse manövriert hat, sollte schnellstmöglich umkehren. Und vielleicht für die nächsten Weihnachtstage schon mal Urlaub buchen. Love it, change it or leave it: Diese Lebensweisheit gilt auch für alte Traditionen.

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  • Quellen

Collier, A.F. et al., Journal of Happiness Studies 10.1007/s10902–017–9866-x, 2018

McNicholas, J., Collis, M.G., British Journal of Psychology 10.1348/000712600161673, 2010

Pearce, E. et al., Royal Society Open Science 10.1098/rsos.150221, 2015

Vuchinich, S., Journal of Marriage and Family 10.2307/352204, 1987

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