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Orakel von Delphi: Weissagen bei Atemnot

„Man sagt, dass der Sitz eine in den Boden eingetiefte Höhlung mit enger Öffnung ist, aus der ein pneuma entweicht, die göttliche Besessenheit hervorruft.“ Mit diesen Worten beschrieb der griechische Historiker Strabon (um 64 v. Chr.–23 n. Chr.) einst das Mirakel des Orakels von Delphi.

Seit langem rätseln Archäologen und Geologen, warum die Pythien, wie die weissagenden Priesterinnen genannt wurden, offenbar in einen Rausch verfielen. Spätestens als Geologen im Jahr 2000 unter dem Apollontempel nahe der Stadt Delphi aktive tektonische Verwerfungen fanden, schien gewiss, dass hier neben Methan und Ethan auch das berauschende Gas Ethylen aus dem Erdinnern aufstieg – und die Priesterinnen euphorisierte.

Doch daran will Giuseppe Etiope vom Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia in Rom nicht glauben. Er und seine Kollegen sind überzeugt, dass jenes Ethylen nicht aus der Tiefe stamme, sondern oberflächennah von Bakterien produziert würde – allerdings in so geringen Mengen, dass das Gas niemals eine berauschende Konzentration erreicht habe.

Immerhin seien hier durchaus größere Mengen anderer Kohlenwasserstoffe entwichen, die – zusammen mit gleichfalls nachgewiesenem Kohlendioxid – zur Erniedrigung des Sauerstoffgehalts in der Luft geführt hätten. Wie die Forscher um Etiope berechneten, blieb den Pythien also schlichtweg die Luft weg. Die dadurch ausgelösten Halluzinationen seien durch die Abgase rituell verbrannter Essenzen vermutlich noch verstärkt worden.

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