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Kryptozoologie

Weiter Kontroversen um Elfenbeinspecht

Elfenbeinspechte
Die Debatte über eine mögliche Sichtung des als verschollen geltenden Elfenbeinspechts (Campephilus principalis) im US-Bundesstaat Arkansas in den Jahren 2004 und 2005 geht in die nächste Runde. Ornithologen um David Sibley und Kollegen vom Colby College in Waterville kommen nach einer erneuten Auswertung des ursprünglichen Video-Materials – dem Kronzeugen der Sichtung – zu dem Schluss, dass es sich bei dem gefilmten Vogel um den häufigeren Helmspecht (Dryocopus pileatus) handelt [1].

Die Forscher begründen ihre Ansicht mit verschiedenen Punkten: So habe die Entdeckergruppe um John Fitzpatrick von der Cornell-Universität die Körperhaltung des aufgenommenen Tiers im Flug und im Ansitz am Baum bezüglich Größe und Gefiedermuster falsch interpretiert. Sibley und seine Kollegen deuten hingegen die ausgedehnten weißen Flächen, die während des Flugs am Vogel beobachtet werden können, als die Flügelunterseite eines Helmspechts. Auch würden weitere Aspekte des Flügelmusters des Tiers nicht mit jenen von Elfenbeinspechten übereinstimmen. Und schließlich sei die Qualität des Videos zu schlecht, um die charakteristischen weißen Streifen auf dem Rücken von Elfenbeinspechten eindeutig zu erkennen.

Dem entgegnet Fitzpatricks Team jedoch, dass ihre Interpretation der Körperhaltung beim Abflug des Vogels nach eingehender Analyse jedes einzelnen Bilds der Aufnahme eindeutig für den seit 1944 vermissten Elfenbeinspecht spricht [2]. Zudem zeige das gefilmte Exemplar eine deutliche Weißzeichnung auf der Oberseite der Flügel, und es fehle ihm die für Helmspechte typische schwarze Hinterkante der Unterflügel. Darüber hinaus lasse die gemessene Flügelspannweite und der Flügelschlag nur den Schluss zu, dass es sich tatsächlich um einen Elfenbeinspecht handelt.

Seit Anfang November suchen derzeit jedoch verschiedene Teams in den entsprechenden Sumpfwäldern der Region nach weiteren Anzeichen der Spezies, ohne jedoch bislang endgültige Beweise gefunden zu haben. Gemeldet wurden bisher nur weitere flüchtige Sichtungen und die ebenfalls typischen Doppelklopfgeräusche der Spechtart.
18.03.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 18.03.2006

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