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Paläoanthropologie: Weiter Zweifel am Artstatus des Flores-Menschen

<i>Homo floresiensis</i> und <i>Homo sapiens</i>
Die Einordnung des zwergenhaften Flores-Menschen als eigenständige Menschenart ist weiter umstritten. So stellen deutsche Forscher frühere Untersuchungen in Frage [1], bei denen die mögliche Gehirnstruktur des als Homo floresiensis bezeichneten Fundes rekonstruiert und als arttypisch eigenständig eingestuft worden waren [2]. Das Gehirn des vor etwa 18 000 Jahren verstorbenen Exemplares "LB1" könnte, anders als zuvor veröffentlicht, durchaus einem verzwergten, an Mikrozephalie leidenden Homo sapiens gehört haben, so die Wissenschaftler um Jochen Weber vom Schweinfurter Leopoldina-Krankenhaus und Kollegen von der Universität Tübingen.

Die Forscher kommen zu diesem Schluss, nachdem sie die Struktur des fossilen Schädels von LB1 mit 19 Schädelexemplaren von an Mikrozephalie erkrankten modernen Menschen verglichen. Das Hirn von LB1 falle nach ihrer Einschätzung durchaus noch in die große Bandbreite von Formen, die bei Mikrozephalie von Homo sapiens auftreten können. Das LB1-Gehirnvolumen von 417 Kubikzentimetern liege sogar nahe des Mittelwertes, der bei Mikrozephali von Homo sapiens auftritt. Eine dreidimensionale Rekonstruktion des Gehirns eines der mikrozephalen Schädel ähnele in Form, Größe und Ausprägungen deutlich der im Sommer publizierten Rekonstruktion des LB1-Gehirns. Zusammengefasst könne nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass das Homo-floresiensis-Exemplar LB1 tatsächlich ein krankhaft kleinköpfiger, moderner Mensch war. Notwendig sei insbesondere die Untersuchung weiterer fossiler Schädel anderer Flores-Individuen.

Der Einspruch folgt der dieswöchigen Veröffentlichung neuer Funde der Entdecker von Homo florisiensis, die belegen, dass die von ihnen als eigenständige Menschenspezies eingestuften Flores-Zwerge noch vor erstaunlich kurzer Zeit und über einen längeren Zeitraum parallel zu Homo sapiens existierten. Das verantwortliche Forscherteam um Michael Morwood von der Universität von New England reagierte auf die kritische Meinung aus Deutschland prompt wiederum mit einer Replik, in der sie ihrerseits die Arbeit der Wissenschaftler um Weber hinterfragen [3]. Insbesondere vermissen Morwood und Kollegen eine exakte und detaillierte wissenschaftliche Dokumentation der mit LB1 verglichenen mikrozephalen Schädel. Zudem seien an den dargestellten Schädeln durchaus Unterschiede zwischen den Arten, etwa in der Lage des Hinterhauptspoles, zu erkennen.

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