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Milchstraße: Weitere Sternbögen um die Galaxis entdeckt

Die Gravitation der Milchstraße riss möglicherweise einst die Sterne ihrer Satellitengalaxien auseinander und führt sie nun in großen Bögen um sich herum mit. Inzwischen sind insgesamt neun solcher Sternringe bekannt – drei davon stellten Forscher nun kürzlich auf der Tagung der American Astronomical Society auf Hawaii vor.

Sternenringe um die Galaxis | Um die Milchstraße lassen sich Sternströme beobachten, die vermutlich von ursprünglich eigenständigen Zwerggalaxien herrühren: Von der Gravitation unserer Galaxis angezogen, wurden sie durch Gezeitenkräfte auseinandergerissen.
Carl Grillmair vom Spitzer Science Center und seine Kollegen stießen auf die Sternringe, als sie die Daten des Sloan Digital Sky Survey nach Sternen mit einer bestimmten Farbe und Helligkeit durchforsteten. Die große Himmelsdurchmusterung erfasst rund siebzig Millionen Sterne, die über ein Viertel des gesamten Himmels verteilt sind. Die Wissenschaftler teilten die Gestirne je nach Alter und Entfernung in verschiedene Gruppen und prüften dann deren Verteilung. Dabei wurde die ringartige Struktur schnell sichtbar, berichten die Forscher. 13 000 bis 130 000 Lichtjahre von der Erde entfernt umschwärmen die Gestirne die Milchstraße – die eine Ausdehnung von etwa 100 000 Lichtjahren besitzt – und erstrecken sich über einen Großteil der nördlichen Hemisphäre.

Grillmair hält es für möglich, dass sie gar die gesamte Galaxis umspannen. Fast sicher ist er sich hingegen, dass zwei der Sternenströme die Überreste eines Kugelsternhaufens sind, die zehntausende, aber auch Millionen von Sternen beinhalten können. Das andere Objekt ist um ein Vielfaches größer und geht vermutlich auf eine Zwerggalaxie zurück, in der sich bis zu hundert Millionen Sterne befinden können. Da einige Gestirne in den Sternansammlungen näher an der Galaxis lagen, hatte die Schwerkraft der Milchstraße einen größeren Einfluss auf sie als auf weiter entfernte. So würden sie unterschiedlich schnell beschleunigt und entfernten sich im Laufe von Milliarden Jahren voneinander, um schließlich in einer langen, dünnen Formation über den Himmel verteilt sind.

Etwa 150 Kugelsternhaufen umrunden heute die Milchstraße, früher könnten es einmal Tausende gewesen sein, mutmaßen die Forscher. Zudem sind den Astronomen bislang nur gut zwanzig Zwerggalaxien als Begleiter der Milchstraße bekannt. Wissenschaftler erwarten allerdings eher hunderte von Satellitengalaxien. Um sichere Schlüsse aus den Beobachtungen ziehen zu können, seien allerdings weitere Beobachtungen mit großen Teleskopen nötig, so Grillmair. Er hält es aber durchaus für möglich, dass Tausende Sternströme die Galaxie umrunden – wie ein Wollknäuel. (mp)

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