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News: Welt-AIDS-Tag - Kinder und AIDS

Die Vereinten Nationen haben den diesjährigen Welt-AIDS-Tag den Kindern gewidmet. Kinder sind weltweit von AIDS betroffen. Sei es, daß sie selbst den Gefahren einer HIV-Infektion ausgesetzt sind, sei es, daß ihre Familien durch das Sterben an AIDS auseinandergerissen und zerstört werden. In vielen Ländern sind sexuelle Ausbeutung, mangelnde Informationsmöglichkeiten und Armut zusätzliche Faktoren, die AIDS begünstigen. Mehr Kinder denn je stecken sich weltweit mit HIV an.
Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen von UNAIDS weltweit mehr als 590 000 Kinder mit HIV infiziert, die meisten davon in Afrika oder Asien. So dramatisch die Entwicklung von HIV und AIDS bei Kindern in Entwicklungsländern ist, so relativ günstig stellt sich die Situation in Deutschland wie auch in den meisten westlichen Ländern dar, wo es wirksame Präventionskampagnen, ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und damit auch wirksame Medikamente und Therapien gibt.

Zahlen und Fakten

In Deutschland haben sich nach Schätzung des Robert Koch-Instituts seit Beginn der Epidemie etwa 50 000 – 60 000 Personen infiziert, darunter 500 Kinder unter 13 Jahren. Rund 120 Kinder sind bisher an AIDS erkrankt. In den letzten Jahren hat die Zahl neuinfizierter Kinder vor allem durch die verbesserte medizinische Betreuung HIV- infizierter Schwangerer stark abgenommen. In Europa wurde für Ende 1997 die Zahl der Menschen mit HIV und AIDS auf insgesamt 530 000 geschätzt. Die Entwicklung ist jedoch sehr heterogen: während sich die Lage in einigen Ländern stabilisiert hat, steigen die Zahlen, z.B. in Griechenland und Portugal, steil an. In Zentral- und Osteuropa ist die HIV-Epidemie vergleichsweise jung, die Zahl der AIDS-Fälle deshalb noch niedrig.

Weltweit breiten sich HIV und AIDS immer weiter aus. Für 1997 geht man nach neuesten Schätzungen von UNAIDS von ca. 5,8 Millionen Neuinfektionen, und 2,3 Millionen HIV-bedingten Todesfällen aus. Den Schätzungen zufolge leben heute über 30 Millionen Menschen weltweit mit HIV, darunter 1,1 Millionen Kinder unter 15 Jahren, die zu 90 Prozent in Entwicklungsländern aufwachsen.

Seit dem Beginn der Epidemie haben etwa 8,2 Millionen Kinder ihre Mutter oder beide Eltern durch AIDS verloren. Über 40 Prozent der 14 000 Erwachsenen, die sich täglich neu infizieren, sind Frauen. Die Wahrscheinlichkeit, daß das Baby einer HIV-positiven Frau ebenfalls infiziert ist, liegt in der Dritten Welt über einem Drittel, in den Industrieländern unter fünf Prozent, wenn die heute verfügbaren optimierten medikamentösen Therapien fachgerecht eingesetzt werden.

Die Dritte Welt

Während in Europa etwa 75 Prozent der HIV-positiven Kinder zumindest ihren sechsten Geburtstag erleben, sterben zum Beispiel in Sambia rund die Hälfte der HIV-positiven Kinder bis zum Alter von zwei Jahren. In Uganda sterben 66 Prozent der HIV-positiven Kinder bis zum Alter von drei Jahren. Armut und Unterernährung tragen generell weltweit stark zur Verbreitung von Infektionskrankheiten und zur Kindersterblichkeit bei.

Heranwachsende sind – wie die Erwachsenen – hauptsächlich durch sexuelle Kontakte infektionsgefährdet. Sexuelle Ausbeutung und sexueller Mißbrauch im Familienkreis sind zusätzliche gravierende Probleme. In Ländern, in denen Informationen über HIV und AIDS nicht oder nur unzureichend vermittelt werden, trägt auch der mangelhafte Wissensstand zur Gefährdung durch HIV bei. Erfolgreiche Einzelprojekte in der Dritten Welt zeigen jedoch, daß auch unter schwierigen Bedingungen die Ausbreitung von HIV und AIDS effektiv begrenzt werden kann.

Die Situation in Deutschland

In Deutschland besteht eine relativ günstige Situation in bezug auf Kinder und AIDS. Die nahezu flächendeckende und frühzeitige AIDS- Aufklärung in den Medien und Schulen hat mit dazu beigetragen eine epidemische Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Die enge Zusammenarbeit zwischen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der deutschen AIDS-Hilfe in der Prävention von HIV und AIDS wird weltweit als vorbildlich eingeschätzt. Das Gesundheitssystem ist leistungsfähig und stellt Beratungsmöglichkeiten, Therapien sowie Pflege- und Versorgungsmöglichkeiten für die Betroffenen zur Verfügung. Organisationen wie die Deutsche AIDS-Stiftung und die AIDS-Hilfen unterstützen Betroffene mit medizinischen, psychologischen und materiellen Leistungen. Dennoch: viele Kinder und Familien, die von AIDS betroffen sind, leiden auch bei uns im gesellschaftlichen Miteinander trotz ermutigender gesellschaftlicher Entwicklung zu solidarischem Miteinander noch immer unter Stigmatisierung, Diskriminierung und Ausgrenzung. Oft schützen die Betroffenen sich durch Anonymität – bleiben aber so häufig isoliert. Der emotionale Druck auf die betroffenen Kinder kann gewaltig sein. Es bleibt ein wesentliches Ziel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Robert Koch-Instituts, Ausgrenzungstendenzen klar und deutlich entgegenzutreten und so die Grundlage für ein solidarisches, menschliches Miteinander zu stärken. Die jährlichen Representativerhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (AIDS im öffentlichen Bewußtsein) zeigen, daß sich das gesellschaftliche Klima in Deutschland seit Ende der achtziger Jahre sehr deutlich hin zu mehr Hilfsbereitschaft und sozialer Integration Betroffener gewandelt hat und daß sich diese Einstellung auf hohem Niveau stabilisiert hat.

Die Zukunft der Kinder

Kinder und Heranwachsende in allen Ländern und diejenigen Menschen, die für sie sorgen und Verantwortung tragen, müssen sich langfristig darauf einrichten, in einer Welt mit AIDS zu leben. Bis preiswerte Impfstoffe gegen HIV zur Verfügung stehen, bleiben Präventionsprogramme weltweit in allen Ländern das wichtigste und wirksamste Instrument im Kampf gegen die Immunschwäche. Nur sie können wirksam verhindern, daß sich Menschen überhaupt anstecken. Der zukünftige Verlauf der Epidemie wird nicht zuletzt auch durch diejenigen bestimmt werden, die heute in steigendem Maße von ihr betroffen sind: von den Kindern. Erwachsene haben deshalb überall auf der Welt eine besondere ethische und moralische Verpflichtung, alle gegebenen Möglichkeiten auszuschöpfen, daß diese Gesundheitsgefahr so gering wie möglich gehalten wird. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und das Robert Koch-Institut stellen sich dieser Verantwortung zusammen mit allen Institutionen, die in Deutschland im Kampf gegen AIDS und für Betroffene aktiv sind.

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