Direkt zum Inhalt

Bombenangriffe auf Deutschland: Weltkriegsexplosionen reichten hunderte Kilometer ins All

Historische Messungen zeigen: Stoßwellen großer Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg hatten Auswirkungen bis in die Ionosphäre.
Kondensstreifen durch Bomber

Die Stoßwellen alliierter Bombenangriffe auf Deutschland hatten messbare Auswirkungen auf die Ionosphäre – jene Schicht geladener Teilchen, die bis in mehr als 500 Kilometer Höhe reicht. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Forscher von der University of Reading in Großbritannien anhand der Auswertung von Messdaten aus den Jahren 1943 bis 1945. Wie der Meteorologe Christopher J. Scott und der Historiker Patrick Major in den »Annales Geophysicae« berichten, sank die Elektronenkonzentration über Großbritannien merklich, wenn in den drei bis sieben Stunden davor ein Angriff mit mindestens zwischen 100 und 800 Tonnen Sprengstoff stattfand. Ursache des Effekts ist nach Ansicht der Forscher, dass die Stoßwellen die Thermosphäre aufheizten; das führt dazu, dass Reaktionen mit bestimmten Ladungsträgern schneller ablaufen.

Die Ionosphäre beeinflusst die Ausbreitung von Radiosignalen rund um die Welt; deswegen war ihr Zustand schon Mitte des 20. Jahrhunderts für praktische Anwendungen interessant. Scott und Major werteten Messungen der Messtation in Slough nahe London aus, die seit 1931 regelmäßig den Zustand der geladenen Atmosphärenschicht vermaß. Die Messungen der der F2-Schicht der Ionosphäre zeigen einen Effekt, der mit höherer Sprengkraft der Angriffe tendenziell stärker wird. Die stärkste gemessene Abweichung erschien nach insgesamt 20 Bombenangriffen innerhalb von fünf Stunden; die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein zufälliges Zusammentreffen handelt, betrug etwa ein zehntel Prozent. Die Untersuchungen sollen Aufschluss darüber geben, in welchen Ausmaß Störungen vom Erdboden oder aus der unteren Erdatmosphäre – zum Beispiel Gewitter – den Zustand der Ionosphäre beeinflussen. Das Weltraumwetter bestimmt den allgemeinen Zustand der geladenen Schicht, kann aber viele ihrer Schwankungen nicht erklären.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnervideos