Direkt zum Inhalt

Objekte im All: Weltraumteleskope liefern Schnappschusspremieren

Hubble nutzt Gravitationslinse
Die Weltraumteleskope Hubble und Spitzer liefern zwei weitere einmalige Fotonachweise aus den Tiefen des Universums: Hubble lichtete erstmals einen zehn Milliarden Lichtjahre entfernten Quasar gleich fünfmal gleichzeitig ab. Dies war nur mit Schwerkraftunterstützung eines Galaxie-Clusters möglich, der als Gravitationslinse diente. Die Infrarot-Augen des Spitzer-Teleskops erspähten unterdessen erstmals auch von einem Neutronenstern ausgeschleuderte Jets, wie sie bislang nur an Schwarzen Löchern nachgewiesen wurden.

Galaxie-Cluster vergrößert ferne Objekte | Der Galaxie-Cluster SDSS J1004+4112 im Vordergrund wird von drei seltenen Phänomen umgeben: dem fünffachem Beugungsbild eines dahinterliegenden Quasars (blau umkreist), den bemerkenswert unterschiedlichen drei Beugungsbildern einer zwölf Milliarde Jahre alten Galaxie (rot umkreist) und einer Supernova (gelb umkreist), die auf Fotos vor einem Jahr noch nicht zu erkennen gewesen war – ihr Lichtblitz brauchte aber immerhin auch sieben Milliarden Jahre bis zu uns.
Das neue Hubble-Fotohighlight verdankt seine Existenz einer Galaxiengruppe in sieben Milliarden Lichtjahren Entfernung. Sie war erst kürzlich beim Sloan Digital Sky Survey entdeckt worden, einer großflächigen Durchmusterung des entfernten Universums.

Auf dem Bild ist nun neben zahllosen Galaxien und Galaxienhaufen unter anderem eine Supernova zu erkennen, die vor rund sieben Milliarden Jahren aufgeflammt war. Auf einer vor einem Jahr geschossenen Aufnahme derselben Himmelsregion war sie noch nicht zu erkennen gewesen. Spektakulärstes Objekt aber ist der durch eine Gravitationslinse stark vergrößerte Quasar und seine weit entfernte Wirtsgalaxie, die in Form von roten sichelförmigen Aufhellungen auszumachen ist. Als Linse dient der Galaxienhaufen SDSS J1004+4112, der die Lichtstrahlen des dahinter liegenden Quasars in Richtung Erde beugt und damit von uns aus gesehen optisch aufhellt. Hubbles brillante Optik konnte nun gleich fünf Beugungsbilder des Objektes aufnehmen.

Zeichnerfantasie ist alles: Die Jets eines Neutronensterns | Ein Neutronenstern saugt Materie von seinem Begleitstern ab, sammelt sie in einer Akkretionsscheibe und beschleunigt sie dann teilweise durch sein extremes Gravitationsfeld derart, dass sie polauswärts weggeblasen werden. Solche Jets kannte man bislang nur von Schwarzen Löchern.
Das Weltraumteleskop Spitzer spähte unterdessen zwar weit weniger weit ins All, entdeckte in 10 000 Lichtjahren Entfernung dafür aber bislang nie gesehene Details des Binärsystems 4U 0614+091 im Sternbild Orion. Hier kreist eine gewöhnliche Sonne um einen Neutronenstern. Wie die Spitzer-Aufnahmen nahe legen, bläst der Neutronenstern kontinuierlich Materie aus einer umgebenden Akkretionsscheibe polauswärts ins All. Derartige Jets, die bislang nur an Schwarzen Löchern beschrieben wurden, sind demnach offenbar häufiger als vermutet: Möglicherweise seien "Akkretionsscheiben und extreme Schwerkraftfelder allein schon hinreichend für die Bildung von Jets", so die Wissenschaftler des Beobachtungsteams.

Jets werden üblicherweise eher im Radiowellenbereich aufgespürt, wo sie sich gegenüber den Emissionen eines Schwarzen Loches gut abheben. Die schwachen Jets eines Neutronensterns könnten aber nur durch stundenlange Beobachtungen von Radioteleskopen erkannt werden. Die Infrarotlichtoptik von Spitzer erlaubte nun eine schnellere Entdeckung und Rückschlüsse auf die Geometrie der Jets.

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte