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News: Weniger hilft nicht weniger

Kinder und Jugendliche, die am Hodgkin-Lymphom erkrankt sind, können von dieser bösartigen Erkrankung des Lymphsystems in den meisten Fällen dank Bestrahlung und Chemotherapie geheilt werden. Die Behandlung hat jedoch zum Teil ausgeprägte Nebenwirkungen. In einer bundesweiten Studie wurde gezeigt, daß es möglich ist, bei der Chemotherapie weniger giftige Substanzen zu verwenden. Außerdem konnte die Intensität der Bestrahlung reduziert werden.
Wichtigste therapeutische Maßnahme beim Hodgkin-Lymphom ist die Chemotherapie. Bestimmte Substanzen, die dabei eingesetzt werden, können allerdings die Fortpflanzungsorgane junger Männer schädigen. Eine mögliche Spätfolge der Therapie ist demnach die Unfruchtbarkeit. Ein weiteres Problem sind die Folgen durch eine Bestrahlung, die je nach Größe des bestrahlten Körperfeldes sehr schwerwiegend sein können. Daher wurde in einer Studie unter der Leitung von Günther Schellong an der Kinderklinik der Universität Münster untersucht, wie die Spätfolgen durch eine individuelle Veränderung der Therapie reduziert werden können. Jeder einzelne Patient bekam einen individuellen Therapievorschlag. 97 Prozent der Kinder und Jugendlichen überlebten in dieser Studie ihre Krebserkrankung.

Die Forscher um Professor Schellong ersetzten bei erkrankten Jungen das besonders hodenschädigende Chemotherapeutikum Procarbazin durch die weniger giftige Substanz Etoposid. Sie stellten fest, daß die Überlebensrate bei den Knaben dadurch nicht geringer als die bei den Standardtherapie behandelten Mädchen. Außerdem verkleinerten die Ärzte die Bestrahlungsfelder und senkten die Strahlendosis. Auch dies wirkte sich nicht negativ auf den Behandlungserfolg aus. Kinder und Jugendliche, die jedoch bereits eine fortgeschrittene Lymphkrebserkrankung hatten, bekamen eine intensivere Chemotherapie.

Professor Schellong resümiert die Ergebnisse seiner Studie: "Unser Therapiekonzept ist mit einem besonders günstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis verbunden. Die Überlebensraten der betroffenen Kinder und Jugendlichen sind mit der weniger intensiven und weniger schädigenden Behandlung ebenso hoch wie mit der herkömmlichen Therapie." Das in Münster erarbeitete Therapieschema wird jetzt in ganz Deutschland angewandt.

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