Stress und Psyche: Ein Training für mehr Resilienz

Auch unter Stress und widrigen Umständen psychisch gesund zu bleiben, ist eine wichtige Fähigkeit. Lässt sich diese Resilienz lernen? Dafür spricht eine Studie von Forschenden um Dirk Lehr von der Leuphana Universität Lüneburg. Mehr als 350 Berufstätige nahmen an einem Online-Resilienztraining teil. Es soll Stress reduzieren und die psychischen Abwehrkräfte stärken.
Vier Resilienzfaktoren im Fokus
Die an der Leuphana Universität Lüneburg entwickelte Selbsthilfe-Intervention besteht aus sechs Teilen und zielt darauf ab, vier wichtige psychische Ressourcen zu verbessern: Selbstwirksamkeit, Optimismus, Selbstmitgefühl und Beziehungspflege.
Es wurde empfohlen, jede Woche eine Einheit zu bearbeiten, was rund 60 Minuten in Anspruch nahm. Dabei lernten die Teilnehmenden zum Beispiel, selbstkritische Gedanken zu erkennen und durch selbstmitfühlende zu ersetzen oder eine positive Sichtweise einzunehmen.
Außerdem gab es in einer das Programm ergänzenden Resilienz-App die Möglichkeit, persönliche Kraftmomente zu sammeln: kleine und große Augenblicke, in denen einem etwas im Alltag trotz Schwierigkeiten gut gelungen ist.
Die Teilnehmer wurden per Zufall entweder einer Interventions- oder einer Wartekontrollgruppe zugeteilt, die das Programm erst drei Monate später durchlief. Nach dem Training sowie drei und sechs Monate später erhoben die Psychologen, wie gestresst und resilient sich die Probanden fühlten. Zusätzlich erhoben sie per Fragebogen weitere Gesundheitsmaße.
Optimismus und Selbstmitgefühl als Schlüsselressourcen
Das Ergebnis: Wer an dem Training teilgenommen hatte, fühlte sich anschließend resilienter als Personen aus der Kontrollgruppe. Der Effekt hielt sogar über Monate an. Auch die vier Resilienzfaktoren verbesserten sich.
Statistische Analysen der Forscher deuten darauf hin, dass insbesondere zwei Fähigkeiten die Resilienz beflügeln: wenn man lernt, optimistischer in die Zukunft zu blicken und sich selbst gegenüber eine mitfühlendere Haltung zu entwickeln.
Psychischen Störungen vorbeugen
Stress ist ein Risikofaktor für eine Vielzahl schwerer Erkrankungen, zum Beispiel für Schlafstörungen und Depressionen. Die psychische Widerstandkraft zu steigern, ist daher entscheidend, um die schädlichen Auswirkungen von Stress für die Betroffenen und die Gesellschaft abzumildern.
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