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Klimawandel: Weniger Wald, weniger Trinkwasser

Sollte die durchschnittliche Erdtemperatur während der nächsten 200 Jahre um mehr als drei Grad Celsius ansteigen, so könnten Sibirien, Kanada, Amazonien und Ostchina bis zu zwei Drittel ihrer heutigen Waldfläche einbüßen. Zudem dürften sich dann Probleme der Trinkwasserversorgung Westafrikas, Südeuropas sowie im Osten der Vereinigten Staaten verschärfen.

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Ökosysteme im Wandel | Marko Scholze untersuchten die globalen Veränderungen von Ökosystemen unter drei Szenarien steigender Temperaturen: weniger als zwei, zwischen zwei und drei und mehr als drei Kelvin Erwärmung. Entsprechend steigt (blau) oder fällt (rot) der Oberflächenabfluss von Trinkwasser (oben), häufen sich Waldbrände (rot) oder nimmt ihre Zahl ab (grün) oder schrumpft (blau) beziehungsweise wächst (grün) die Waldfläche (unten).
Selbst eine geringere Temperaturzunahme um weniger als zwei Kelvin lässt die Wälder in gegenwärtig noch dicht bewachsenen Regionen um dreißig Prozent schrumpfen lassen, prognostizieren Wissenschaftler um Marko Scholze von der Universität Bristol. Sie verglichen 52 aktuelle Computersimulationen zum Klimawandel, um mögliche Risiken für global bedeutsame Ökosysteme zu kalkulieren. Ihre Zusammenfassung bestätigt dabei häufig genannte Folgen der Erderwärmung wie rasche Wechsel extremer Umweltereignisse.

So begünstigen die steigenden Temperaturen etwa häufigere Dürren im nordöstlichen Amazonasraum, was dort wiederum die Feuergefahr steigert. Dadurch schwindet der Wald, was bei episodischen Starkniederschlägen stärkere Überflutungen und Erosion auslöst. Ähnliche Entwicklungen gelten auch für den Mittelmeerraum. Jenseits von drei Kelvin Erhitzung könnten außerdem gegenwärtige Kohlendioxid-Senken zu ergiebigen Quellen werden, weil ihre Biomasse schneller mikrobiell zersetzt oder durch Brände zerstört wird – was letztlich auf eine weitere Verstärkung des Treibhauseffektes hinausliefe, warnen die Forscher.

Einige Regionen können allerdings auch potenziell eine Zunahme der Waldfläche erwarten: Verbesserte Wuchsbedingungen finden Bäume vor allem in den Savannengebieten Afrikas und in den heutigen Tundrenregionen Nordamerikas und Eurasiens.
16.08.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 16.08.2006

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