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News: Wenn Begonien ihre Migräne haben

Es ist weithin bekannt, daß Pflanzen zwar nicht auf die gleiche Weise wie Tiere Schmerz empfinden, aber dennoch sehr wohl über ein eigenes Alarm-System verfügen, mit dem sie auf Verletzungen reagieren. Doch in fast jeder Hausapotheke gibt es ein Mittel, mit dem das Leiden der Pflanzen beendet werden kann - Aspirin.
Ein Team von Wissenschaftlern um Ralph A. Backhaus von der Arizona State University stellte fest, daß Aspirin die Signalkette des pflanzlichen Alarmsystems unterbricht, indem es die Produktion einer Schlüsselsubstanz unterbindet (Journal of Biological Chemistry vom 17. Juli 1998, Abstract).

Bei Tieren bindet Aspirin an das aktive Zentrum eines Enzyms und hemmt so die Synthese von Prostaglandin, das Schwellungen und Schmerz auslöst. In Pflanzen wirkt das Medikament ähnlich auf ein wichtiges Enzym für die Herstellung von Jasmonsäure. "Jasmonsäure ist ein Hormon, das synthetisiert wird, wenn die Pflanze in Not ist", erläutert Backhaus. "Sie bewirkt die Produktion pflanzlicher Verteidigungsstoffe. Es ist ein bißchen mit Schmerz zu vergleichen, der die Pflanze warnt, daß sie gerade angegriffen wird." Jasmonsäure kann auch in die Luft übergehen und benachbarte Pflanzen warnen, die sich dann schon mit entsprechenden Abwehrstoffen gegen Fraßinsekten wappnen können.

Aspirin unterbricht die Nachrichtenkette durch den Stopp der Jasmonsäureproduktion schon an ihrem Beginn. Doch während es bei Tieren durchaus Sinn macht, den Schmerz irgendwann abzuschalten, liegt der Vorteil einer Aspirinbehandlung bei Pflanzen nicht gerade auf der Hand. Es sei denn, man ist ein hungriges Insekt, das die Alarmanlage der Hauptmahlzeit unterbrechen möchte.

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