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Erste Hilfe

Wenn der Defibrillator einschwebt

Die Idee: Künftig soll schon kurz nach einem Notruf Hilfe einschweben, in Form einer autonomen Drohne mit Defibrillator an Bord. Das klappt tatsächlich erstaunlich gut.
Ambulanzdrohne in der Luft

Defibrillatoren können bei einem Herzstillstand Leben retten, sie kommen aber in der Regel erst zum Einsatz, wenn der Notarzt eintrifft. Mit Drohnen, die von der Rettungszentrale ausgesendet werden und einen Defibrillator an Bord tragen, könnte der Zeitverlust deutlich reduziert werden. Zum Nutzen der Patienten: Denn jede Minute ohne Wiederbelebungsmaßnahmen senken bei einem Herzstillstand die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent.

Ob und wie sich eine solche Erste-Hilfe-Drohne im Alltag der Rettungsdienste schlagen würde, hat in Schweden nun ein Team um Andreas Claesson vom Karolinska-Institut in Stockholm erprobt. Die Forscher stationierten ihre Drohne in einer Feuerwache im Umland Stockholms. Von hier aus schickten sie sie zu allen Einsatzorten im Umkreis von zehn Kilometern, an denen in den vergangenen acht Jahren Notrufe zu Herzstillständen eingegangen waren. Dann verglichen sie die jeweilige Flugdauer mit den Fahrtzeiten des Notarztwagens.

Im Schnitt gelangte die Drohne nach 5 Minuten und 21 Sekunden ans Ziel. Der Krankenwagen war bei den gleichen Vorfällen im Durchschnitt 22 Minuten unterwegs, schreiben sie im "Journal of the American Medical Association". In ein oder zwei Jahren wollen sie ihr System einsatzbereit haben. Bis dahin muss es jedoch noch weiteren Tests – vor allem in tatsächlichen Notfällen – unterzogen werden.

Die Defibrillatoren, die sie für die Drohne vorgesehen haben, entsprechen den Geräten aus öffentlichen Gebäuden und können auch von Laien bedient werden. Der Benutzer erhält dafür gesprochene Anweisungen. Die Drohne selbst war mit einem Autopiloten ausgerüstet, der mit Hilfe von GPS navigierte. Von der Leitstelle aus wurden die Koordinaten des Ziels eingegeben, und eine Flugroute wurde erstellt.

Das Potenzial von Notfalldrohnen geht allerdings sicher über das reine Transportieren von Defibrillatoren hinaus. Über Kameras könnten die Fluggeräte den anrückenden Notfallmedizinern schon ein erstes Bild der Lage vermitteln. Vielleicht kann man sogar die Ersthelfer per Lautsprecher zu den richtigen Maßnahmen instruieren. Insbesondere im ländlichen Bereich, wo Rettungswagen lange Fahrtzeiten auf sich nehmen müssen, dürfte sich ein solches Konzept bewähren. In Ruanda testet eine Organisation autonome Fluggeräte, um Blutkonserven und Medikamente zu medizinischen Stationen in unerschlossenen Regionen zu transportieren.

Um die Versorgung von Notfallopfern zu verbessern, ist allerdings nicht immer nur Technik gefragt. Auch mehr und bessere Schulungen tragen dazu bei, dass Menschen einen Herzstillstand überleben – statt eines Defibrillators tut es in vielen Fällen auch eine klassische Herz-Lungen-Massage. Viele Menschen in Deutschland wissen zwar, wie sie dabei vorgehen müssten, wenden ihr Wissen im Notfall aber nur selten an.

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