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News: Wenn es rund geht

Anscheinend gibt es mehr Unterschiede zwischen den Geschlechtern als gemeinhin angenommen wird. So verlassen sich Männer mehr auf die optische Rückkopplung, wenn sie sich drehen, während Frauen stärker auf das zuständige Organ im Innenohr achten.
Wenn Sie sich auf einen drehbaren Stuhl setzen, können Sie selbst in völliger Dunkelheit sagen, wie weit Sie sich gerade gedreht haben. Diese Fähigkeit verdanken wir dem Vestibularsystem, jenem Teil des Gehirns, der die entsprechenden Signale aus dem Innenohr verarbeitet und außerdem noch für unseren Gleichgewichtssinn zuständig ist. Im alltäglichen Leben sehen wir zudem, wie groß der Drehwinkel in etwa ist. Das Vestibularsystem erhält also ständig eine Rückkopplung über das visuelle System.

Isabelle Viaud-Delmon vom Centre National de la Recherche Scientifique in Paris und ihre Kollegen wollten wissen, was passiert, wenn der Drehsinn durch eine unpassende virtuelle Realität verwirrt wird (Nature Neuroscience vom Mai 1998). Dazu statteten sie Testpersonen mit einem Display aus, das ihnen falsche Drehwinkel vortäuschte. Wurde ein Proband beispielsweise um 180 Grad gedreht, wirkte das auf dem Bildschirm nur wie 90 Grad. Nach einem 45minütigen Training in der virtuellen Realität wurden die Personen in der völligen Dunkelheit darauf getestet, ob ihr Vestibularsystem sich neu kalibriert hatte.

Erstaunlicherweise war das bei Männern signifikant stärker der Fall als bei Frauen. Ob dies Ergebnis bedeutet, daß Männer anpassungsfähiger oder aber schlicht einfacher reinzulegen sind, ist eine Frage des Standpunktes. Auf jeden Fall scheinen sich die Gehirne von Mann und Frau in mehr Punkten zu unterscheiden, als sogar Psychologen das bisher angenommen haben.

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