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News: Wer die Sekunde nicht ehrt, ...

Dieses Jahr dauert die Silvesternacht einen Augenblick länger als sonst. Am 31. Dezember 1998 wird um 23 Uhr 59 Minuten und 59 Sekunden Weltzeit eine Schaltsekunde eingefügt. Aber keine Angst vor Verwirrungen beim Anstoßen: Die in Deutschland offiziell gültige Mitteleuropäische Zeit ist der Weltzeit immer um eine Stunde voraus. Bei uns ist also schon Neujahr, wenn es soweit ist. Und das alles nur, weil die Erde sich nicht gleichmäßig durch den Raum bewegt.
Die älteste Uhr der Menschheit ist die Erde. Wir wissen, es ist Morgen, wenn die Sonne aufgeht, Mittag, sobald sie im Zenit steht, und am Abend geht sie wieder unter. Und trotz ihres Alters ist die Erde eine unheimlich genaue Uhr, die nicht mehr als eine Tausendstel Sekunde am Tag falsch geht. Doch seit Erfindung der Atomuhr läßt sich Zeit noch exakter messen, und da sind wir Menschen dann eben sehr penibel. Atomuhren messen die Schwingungen von bestimmten Atomen, meistens handelt es sich um Cäsium. Mit einer Zuverlässigkeit von einer Milliardstel Sekunde am Tag übertreffen sie die Erde bei weitem. Darum laufen aufgrund einer internationalen Übereinkunft im Jahre 1972 an verschiedenen Stellen auf dem Globus Atomuhren und geben die offizielle Zeit an.

Nun ist die Erde aber bei ihrer Drehung ein ganz klein bißchen schlampig. Sie dreht sich mal ein wenig schneller und dann wieder langsamer. Mit Radioteleskopen läßt sich das nachweisen, wenn man Quasare, die entferntesten Objekte im Weltall, beobachtet. Diese Unregelmäßigkeit führt dazu, daß "Erdzeit" und "Atomzeit" manchmal asynchron werden. Da unser Heimatplanet sich nicht um Harmonie mit den Superuhren auf seiner Oberfläche schert, kümmert sich der International Earth Rotation Service um den Abgleich, sobald die Differenz mehr als neun Zehntelsekunden zu überschreiten droht. In diesem Falle legen die Atomuhren eine Schaltsekunde ein, was am 31. Dezember zum 22. Mal vorkommt. Die letzte war vor 18 Monaten.

Während Schaltsekunden eher für einige Techniker und Wissenschaftler von Bedeutung sind (dann kommt ihnen aber auch gleich eine entscheidende Rolle zu), betreffen Schaltjahre, die 366 statt 365 Tage haben, jeden von uns. Seit der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 ist jedes vierte Jahr ein Schaltjahr. Für volle Jahrhunderte gilt dies aber nur, wenn sie durch 400 teilbar sind. Also waren 1700, 1800 und 1900 kein Schaltjahr, wohl aber 1600, und 2000 wird auch eines sein.

Übrigens beginnt am 1. Januar 2000 keinesfalls das dritte Jahrtausend. Auch nicht das 21. Jahrhundert. Unsere Zeitrechnung beginnt nämlich nicht mit dem Jahre 0, sondern mit dem Jahre 1. Deshalb umfaßt das erste Jahrhundert alle Jahre von 1 bis einschließlich 100, das zweite von 101 bis 200 usw. Schließlich stellen wir fest, daß unser jetziges 20. Jahrhundert noch bis zum 31. Dezember 2000 andauern wird. Erst am 1. Januar 2001 knallen die Sektkorken in das nächste Jahrhundert und zugleich ins nächste Jahrtausend. Ob dann wohl eine Schaltsekunde eingelegt werden muß? – Das weiß wohl nur Mutter Erde.

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