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Schlaf: Wer friert, träumt weniger

In Traumphasen sind wir unfähig, unsere Körpertemperatur zu regulieren. Das berücksichtigt offenbar auch unser Gehirn: Wenn Auskühlung droht, fällt das Träumen flach.
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Träume erlebt der Schlafende während der REM-Phasen, in denen das Gehirn hochaktiv ist, der Körper zuckt und die Augen wild hin und her schießen. Auch die Körpertemperatur befindet sich in dieser Phase in einer Art ungesteuertem Freiflug: Anders als im Non-REM-Zustand ist das Gehirn nicht wie sonst in der Lage, die Wärmebilanz des Körpers fein zu justieren. Ohne Zudecke würde ein Träumer also recht schnell auskühlen.

Warum ist das so? Laut einer Hypothese von Markus Schmidt, Forscher an der Universität Bern, »opfert« das Gehirn für den Traumschlaf die Thermoregulation und steckt die eingesparte Energie in die wichtigen neuronalen Vorgänge der REM-Phase. Mit seiner Forschergruppe präsentiert der Wissenschaftler nun im Journal »Current Biology« weitere Belege für diese Annahme. An Mäusen untersuchten die Forscher, mit welchem Mechanismus das Säugetiergehirn die Steuerung der Körpertemperatur in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur abschaltet.

Schmidt und Kollegen betrachteten dazu eine Gruppe von Nervenzellen im Hypothalamus der Tiere, jener Hirnregion also, die für diese und verwandte Aufgaben zuständig ist. Wie sich zeigte, steigern diese Neurone den REM-Schlaf dann, wenn die Raumtemperatur »genau richtig« ist. Dann ist der Bedarf an einer Thermoregulierung des Körpers am geringsten. Möglich machen es in den Zellen gebildete Andockstellen für das so genannte melaninkonzentrierende Hormon (MCH). Legten die Forscher dieses MCH-System im Experiment still, fand sich kein Zusammenhang mehr zwischen Umgebungstemperatur und Traumverhalten der Mäuse. Schalteten sie es wieder an, intensivierte sich der REM-Schlaf wie erwartet mit steigenden Umgebungstemperaturen.

Ausreichend REM-Schlaf ist unter anderem für das Langzeitgedächtnis wichtig. Rund ein Viertel unserer gesamten Schlafzeit verbringen wir in dieser Phase. »Die neuen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass der REM-Schlaf wichtige Gehirnfunktionen aktivieren könnte – besonders dann, wenn wir keine Energie für die Thermoregulation aufzuwenden brauchen«, erklärt Schmidt in einer Mitteilung seiner Universität. »So können wir unsere Ressourcen optimieren.«

25/2019

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25/2019

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