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Denkfehler: Wer häufig zusieht, überschätzt sich selbst

Viele Menschen holen sich Tipps in Onlinevideos, wenn sie sich an etwas Neues heranwagen. Doch wer zu oft zuschaut, könnte dazu verleitet werden, die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen.
Ein Mann blickt durch ein großes Fernglas.

Je häufiger wir anderen bei etwas zusehen, desto eher denken wir uns: »Das schaffe ich auch!« – und überschätzen unsere Fähigkeiten in den meisten Fällen maßlos. So lautet das Fazit einer Untersuchung, die Michael Kardas und Ed O'Brien von der University of Chicago im Fachmagazin »Psychological Science« veröffentlichten. Die Wissenschaftler baten unter anderem knapp 200 Probanden, im Labor ihre Dartsfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmer, die sich zuvor gleich 20-mal ein kurzes Video von einem Dartsprofi angesehen hatten, anschließend optimistischer waren, ebenfalls eine hohe Punktzahl zu erzielen, als Versuchspersonen, die den Film nur einmal ansehen durften. Eine echte Partie Darts offenbarte allerdings, dass hinter dieser Einschätzung hauptsächlich heiße Luft steckte: Letztlich schnitten beide Gruppen in etwa gleich gut ab.

Ganz ähnliche Ergebnisse förderten Versuche zu Tage, in denen Kardas und O'Brien ihre Teilnehmer etwa baten, den »Moonwalk« vorzuführen, ein neues Computerspiel zu spielen oder zu jonglieren. Erhalten Versuchspersonen hingegen lediglich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Durchlesen oder sollen eine bestimmte Tätigkeit im Kopf durchgehen, verzerrt das die Selbsteinschätzung nicht. Das belegte unter anderem ein Experiment, bei dem die Probanden den »Tischdeckentrick« präsentieren sollten. Dabei gilt es eine Tischdecke so gekonnt wegzuziehen, dass Gläser, Teller und andere Dinge, die sich auf dem Tisch befinden, einfach stehen bleiben.

Vor allem Menschen, die dazu neigen, sich häufig Tipps in Onlinevideos zu holen, bevor sie sich an etwas Neues wagen, sollten sich den Selbstüberschätzungseffekt vor Augen führen, meint Kardas. Denn die vielen Do-it-yourself-Videos verleiten uns womöglich dazu, zu glauben, dass etwas leichter ist, als es in Wirklichkeit der Fall ist.

2/2018 (Juni/Juli)

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum Psychologie, 2/2018 (Juni/Juli)

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